Boombranche Landwirtschaft – Finanzierung ohne wenn und aber?

Dr. Rüdiger FuhrmannÜber den Dächern von…., nein nicht etwa Nizza oder eine sonstige französische Stadt an der Côte d’Azur, sondern über den Dächern von Hannover an der Leine mit traumhaftem Blick über die Stadt trafen sich die niedersächsischen Agrarjournalisten jüngst zum Finanzgespräch mit Dr. Rüdiger Fuhrmann, Abteilungsleiter Agrarbanking der Nord LB. Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau, Gemüse und Schweinemast in Nordhessen kennt er die Produktionsbedingungen der Landwirtschaft genau.

„Unter BASEL III ändern sich die Rahmenbedingungen für die Kreditvergabe auch für die Banken“, führte er aus, „das fängt bei der qualitativen Verbesserung des Eigenkapitals der Banken an, da zukünftig zum Beispiel stille Einlagen nicht mehr akzeptiert werden und hört bei den höheren Liquiditätsanforderungen an die Banken auf.“ Die zunehmende Berücksichtigung von Umweltaspekten, die Tendenz zur Konservierung der Kulturlandschaft mit Stilllegung und Fruchtfolgebeschränkungen, weitreichende Dokumentationspflichten und die gesellschaftliche Diskussion über die Nutztierhaltung führen zu schleichend ansteigenden Produktionskosten mit Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt, so Fuhrmann weiter. Zwar bestehe in der Landwirtschaft eine geringere Abhängigkeit von der allgemeinen Konjunkturlage ‑ „gegessen wird immer!“ ‑  andererseits hat die Landwirtschaft andere Einflussfaktoren, die in anderen Branchen nicht vorhanden seien wie z.B. Witterungsverläufe.

Hohe Volatilitäten und weltweite Verflechtungen

Finanzgespräch Nord LB2Im Branchenvergleich habe die Landwirtschaft unterdurchschnittliche Kreditrisiken, da sie meist werthaltige Immobilien zur Besicherung sowie handelbare Lagerbestände zur Umlaufmittelbesicherung aufweise. Das Preisniveau für Agrarrohstoffe und –produkte hat sich in den letzten Jahren im mehrjährigen Durchschnitt erhöht, gleichzeitig sind die Schwankungsbreiten für die Agrarprodukte und Betriebsmittel größer geworden. „Die Marktentwicklungen bestimmen sich nicht mehr auf regionaler, nationaler oder europäischer Ebene, sondern unterliegen weltweiten Einflüssen“ erklärte Fuhrmann. Die derzeit niedrigen Zinsen vergünstigen zwar die Finanzierungskosten einer Investition und sichern langfristig das Zinsniveau bei bestehenden Krediten, bergen aber auch Risiken, denn günstige Kredite verleiten zu Über- oder Fehlinvestitionen und auch der Wettbewerbsvorteil ist nur scheinbar, da er allen zur Verfügung steht, erläutere Fuhrmann. Sein Rat an die investitionswilligen Landwirte: 1. Eigenkapitalsituation verbessern, 2. Kapitalstruktur optimieren und 3. die Ist-Produktion optimieren. Im Anschluss an den hochinteressanten Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an.

Angelika Sontheimer

 

 

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