QS zieht Resümee aus der Dioxinkrise

Erstellt am Montag, 17. März 2012 08:35

Landesgruppe Bonn zu Besuch bei der QS – Qualität und Sicherheit GmbH in Bonn Anfang des Jahres hielten die Meldungen über Dioxin in Futtermittel die Republik in Atem.

Landwirtschaftliche Betriebe wurden zu Hunderten gesperrt und nicht nur Verbraucher, sondern auch die Akteure der einzelnen Produktionsstufen waren verunsichert. Wie hat sich das QS-System in dieser Situation bewährt und welche Konsequenzen wurden aus der Dioxinkrise gezogen? Darüber informierte die QS Qualität und Sicherheit GmbH die Bonner Landesgruppe am 17. März 2012 in Bonn.

Als „erste echte Bewährungsprobe für das QS Prüfsystem“ bezeichnete QS-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Nienhoff den überwundenen Dioxinskandal. „Dabei war Dioxin ganz klar eine mediale Krise. Es hat nie eine gesundheitliche Gefahr für den Menschen oder das Tier gegeben“, hielt Nienhoff fest. Er betonte in diesem Zusammenhang ausdrücklich noch einmal, dass die Kontrollmechanismen bei QS im Zusammenhang mit der Dioxinkrise gegriffen hätten, denn die Überschreitung der zulässigen Werte in Futtermitteln sei ihm Rahmen der QS-Eigenkontrollen festgestellt worden. „QS hat als erstes die Verunreinigung aufgedeckt“, stellte Nienhoff fest. Mit der Sperrung der Betriebe habe QS den Kreis der belasteten Betriebe genau eingegrenzt.

Der QS-Geschäftsführer zeigte sich darüber hinaus davon überzeugt, dass durch QS das Aus-maß der Dioxinkrise noch „einigermaßen im Griff“ gehalten worden sei. „Im Lebensmitteleinzelhandel herrschte damals eine unglaubliche Nervosität. Einzelne Unternehmen wollten ernsthaft Schweinefleisch auslisten. Dadurch wären die Schweinefleischpreise ins Bodenlose gefallen“, erläuterte Nienhoff und fügte hinzu: „QS ist es aber durch sachliche Aufklärung gelungen, sie davon abzuhalten.“

Natürlich hat QS auf die Auswirkungen der Dioxinkrise reagiert und zahlreiche Auflagen für die Systemteilnehmer beschlossen. Bereits Anfang März wurde eine Reihe von Vorgaben umgesetzt. Darunter fällt die Verpflichtung, Mischfette und -öle sowie Mischfettsäuren separat zu be- und verarbeiten sowie der Ausschluss risikoreicher Produkte wie zum Beispiel Altspeisefette. „Außerdem haben wir das QS-Futtermittelmonitoring um einen speziellen Kontrollplan für Futterfette ergänz, wobei der besondere Fokus auf Dioxin liegt“, betonte Nienhoff. Vor allen Dingen aber will QS die Rückverfolgbarkeit optimieren. Jetzt seien alle Futtermittelunternehmen verpflichtet, innerbetrieblich verfügbare Daten binnen vier Stunden vorlegen zu können, so Nienhoff. Außerdem wurde die Sanktionierung verschärft. „Eine sofortige Sperrung von bis zu vier Wochen bei schwerwiegenden Verstößen ist jetzt auch für Futtermittelunternehmen möglich“, erläuterte der QS-Geschäftsführer.

Als besonders wichtigen Punkt stellte Nienhoff die Verpflichtung zur Freigabeuntersuchung heraus, die ab dem 1. Juli 2011 greifen soll. Kritische Produkte wie Mischfette und Mischöle dürfen danach erst nach dem Nachweis ihrer Unbedenklichkeit hinsichtlich gesundheitsrelevanter Kriterien durch Untersuchungsergebnisse in Verkehr gebracht werden. Nach Aussagen des QS-Geschäftsführers werden noch weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Qualitätssicherung erarbeitet. Vorgesehen sind unter anderem Auflagen an die Futtermittelunternehmen wie die zeitliche Befristung zwischen Probenahme und Eingabe der Analysenergebnisse, eine unabhängige Probenahme, die Zuordnung der Futtermittellieferungen zu den landwirtschaftlichen Betrieben über deren Registriernummer gemäß der Viehverkehrsverordnung, die gesonderte Zulassung von Auditoren beziehungsweise Zertifizierungsstellen sowie zusätzliche unangemeldete Audits.

„Vor allem ist zukünftig eine bessere Abstimmung der Politik mit den Behörden nötig, um Lebensmittelskandale wie die Dioxinkrise bewältigen zu können“, betonte Nienhoff und forderte: „Private und staatliche Überwachung müssen zukünftig besser zusammenarbeiten.“

Unzufrieden äußerte sich der QS-Geschäftsführer über den mangelnden Stellenwert des QS-Prüfzeichens beim Verbraucher. Die Verbesserung der Verbraucherkommunikation nehme daher bei QS einen hohen Stellenwert ein. Unter anderem will QS verstärkt jüngere Konsumenten ansprechen und dazu Social Media-Technologien, wie etwa Weblogs und Soziale Netzwerke nutzen. „Unser Ziel ist es, dass QS beim Verbraucher ein zuverlässiges, robustes Einkaufskriterium für Lebensmittel ist, wie beispielsweise das TÜV-Zeichen“, machte Nienhoff deutlich.

Elisabeth Legge

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Die QS Qualität und Sicherheit GmbH hatte die Bonner Landesgruppe zu einen Besuch eingeladen. Landesgruppenvorsitzende Dr. Katharina Seuser bedankte sich bei QS-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Nienhoff und der QS-Pressesprecherin Heike Wegener mit einem guten Tropfen für die Einladung. Foto: Dr. Elisabeth Legge

 

 

10 Jahre QS: Krisen vorbeugen und bewältigenDie QS-Qualität und Sicherheit GmbH feiert im Oktober 2011 ihr zehnjähriges Bestehen. Sie wurde 2001 von der Privatwirtschaft als Reaktion auf die BSE-Krise in Deutschland gegründet. QS ist eine freiwillige Initiative unter Einbeziehung aller Stufen der Lebensmittelwertschöpfungskette mit dem Ziel einer durchgängigen Qualitätssicherung vom Futtermittel bis zur Ladentheke. Daher sind für alle QS-Systemstufen bestimmte Anforderungen festgelegt, deren Einhaltung in Eigenkontrollen und unabhängigen Kontrollen überprüft wird. Rund 110 000 Teilnehmer umfasst das QS-System derzeit, darunter rund 80 000 landwirtschaftliche Betriebe. Die GmbH hat ihren Sitz in Bonn und beschäftigt knapp 40 Mitarbeiter.

 

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