Mit IFAJ-Kollegen ins Westfalen-Land

Oft erst beim Blick hinter die Kulissen werden Erkenntnisse gewonnen und Details mit Geschichten zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammengefügt. Davon konnten sich die Teilnehmer der beiden ganztägigen „Westfalentouren“ im Rahmen des IFAJ-Hauptkongresses 2016 überzeugen.

Freitag 15. Juli

Die Welt der Pferde

Den Spannungsbogen von Tier und Technik, von lokaler und globaler Welt erlebten 30 Agrarjournalisten aus 20 Nationen auf der ersten Tour.

Gut Kückshausen – nahe Dortmund und seit 12 Generationen in Familienbesitz – hat sich zu einem Eldorado der Pferdehaltung entwickelt. Dahinter steht Betriebsleiter Jan-Dirk Braß, der bekennt: „Ich bin leidenschaftlicher Landwirt mit Pferdeverstand“. Tatsächlich bildet die Landwirtschaft mit 173 ha Ackerbau (Weizen, Wintergerste, Raps,Mais, Ackerbohnen) und 76 ha Weideland die Grundlage für den Reiterhof mit 108 Pensionspferden, denen drei Reithallen, mehrere Dressur- und Springreit-Parcours sowie eine paradiesische Landschaft für Ausritte zur Verfügung stehen. „Wo Pferde sind, ist Atmosphäre“ – das spürten die ausländischen Gäste, die sich nach dem köstlichen Frühstück im „Reiterstübchen“ und direkten Kontakten mit der Welt der Reiterei nur auf sanftem Druck zur Weiterfahrt animieren ließen.

Gruppenbild mit Pferd und Betriebsleiter-Ehepaar Jan-Dirk und Kerstin Braß, ganz links: Translater Horst Biere von der Landesgruppe „Rhein-Weser“ Foto: Ingrid Gertz-Rotermund

Gruppenbild mit Pferd und Betriebsleiter-Ehepaar Jan-Dirk und Kerstin Braß, ganz links: Translater Horst Biere von der Landesgruppe „Rhein-Weser“
Foto: Ingrid Gertz-Rotermund

CLAAS – weltweit agierendes Familienunternehmen

Der Name „CLAAS“ steht für Marktführerschaft und internationale Landtechnik-Geschäfte mit weltweit 11 Produktionsstätten. Aber wer ahnt schon, dass die 1913 gegründete Gesellschaft mit Stammsitz im westfälischen Harsewinkel auch heute noch in Familienhand ist, Gründersohn Helmut Claas (90 Jahre) leitet mit seiner Tochter Catharina Claas-Mühlhäuser das weltweit agierende Unternehmen, wie Wolfram Eberhardt, Leiter der Unternehmenskommunikation, bei der Begrüßung auf dem Werksgelände betonte.

Imponierend die Entwicklung der CLAAS-Gruppe, die „around the world“ 11.500 Mitarbeiter beschäftigt, 2015 einen Umsatz von 3,8 Mrd. Euro erzielte und vor 13 Jahren mit der Übernahme von „Renault Agriculture“ auch in die vollständige Traktorenproduktion eingestiegen ist.

Das Markenzeichen von CLAAS ist der Mähdrescher – die selbstfahrende Erntemaschine, deren Produktion die Agrarjournalisten vor Ort beim Werksrundgang live verfolgen konnten. „Unser Lexion wird aus über 6.000 Einzelteilen zusammengesetzt“, so die Aussage des Werksführers. Das „Wunder der Technik“ gab Anlass für viele journalistische Nachfragen.

Beeindruckend, wie Innovation und Technologie immer leistungsstärkere und intelligentere Erntemaschinen, Mähdrescher, Feldhäcksler und spezielle Mähwerke auf den Markt bringen.

Unter dem Oberbegriff ‚Efficient Agriculture Systems‘ (EASY) wird software-gestützte Landtechnik immer mehr zum ‚precision farming and monitoring‘ optimiert, wie die CLAAS-Verantwortlichen auch bei Vorführung der Maschinen auf dem Hof Loermann in Nähe des Stammsitzes anschaulich dokumentierten.

Nach der Ernte des Wintergerstenbestandes mit neuester CLAAS-Technik zum Gruppenfoto versammelt Foto: Marc Suchy, claas-Kommunikation

Nach der Ernte des Wintergerstenbestandes mit neuester CLAAS-Technik zum Gruppenfoto versammelt
Foto: Marc Suchy, claas-Kommunikation

Samstag 16. Juli

Aktuelle Gewinne bei null

Jedes vierte in Deutschland geschlachtete Mastschwein stammt aus einem westfälischen Stall. Dieser Tatbestand war denn auch maßgeblich, die IFAJ-Kollegen mit der heimischen Schweineproduktion eines münsterländischen Familienbetriebes vertraut zu machen, dessen Zukunft mit geregelter Hofnachfolge in sicheren Bahnen zu laufen scheint.

Alt-Betriebsleiter Friedrich Steinmann (Kirchhellen/Kreis Recklinghausen) machte immer wieder deutlich, dass sein landwirtschaftlicher Betrieb “im Laufe der Jahre organisch gewachsen ist” und heute auf den drei Standbeinen Schweine-, Milch- und Biogas-Produktion steht.

„Weil der aktuelle Gewinn in der Milchviehhaltung und Schweinemast bei null liegt, können wir die Liquidität des Hofes nur über die Einnahmen aus der Biogasanlage sicher stellen“, erläuterte Steinmann die zur Zeit recht kritische Einkommenssituation und betonte, dass der Betrieb mit einer Jahresproduktion von 1,5 Mio. kg Milch (160 Milchkühe) und 5.000 Mastschweinen nur noch “Ersatzinvestitionen” zuläßt.

“An eine Erweiterung der Betriebsgröße ist zur Zeit gar nicht zu denken”, ergänzt Sohn Christoph, der jetzt auf dem Hof die betriebliche Verantwortung hat.

Was die Agrarjournalisten von Amerika bis Neuseeland besonders überraschte: Von den 140 ha Acker-und Grünland sind nur 27 ha Eigentum.

Die Diskussionen und Gespräche mit der Drei-Generationen-Familie Steinmann brachten Annäherung, aber auch Verständnis und Anerkennung für das Stehvermögen eines Betriebes mitten im Ruhrgebiet, wo um jeden Hektar gerungen wird.

 

Ernten und Futtermittel mischen

Im zweiten Abschnitt der Westfalentour wurde in der Region Werl (Kreis Soest) der Bestand an Getreidesortenversuchen der Raiffeisengenossenschaft Vital (auch in Zusammenarbeit mit Bayer CropScience Deutschland) besichtigt und – zeitverzögert – eine Wintergerstenfläche mit neuester CLAAS-Erntetechnik gedroschen. Anschließende Anlaufstelle war das genossenschaftliche Mischfutterwerk mit einer Jahresleistung von über 200.000 Tonnen Futtermittel.

 

Dr. Dieter Barth

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