Ein Hähnchen, das wie früher schmeckt….

Tierwohl und Qualitätsstandards halten immer mehr Einzug in Deutschlands Geflügelställe. Branchenvorreiter ist hier das fünftgrößte deutsche Frischgeflügelunternehmen H. Borgmeier, das seit genau 20 Jahren mit dem „Kikok-Hähnchen“ Verbraucher glücklich macht.

Am 28. Oktober konnten sich die Mitglieder der VDAJ-Landesgruppe „Rhein-Weser“ vor Ort in Delbrück (Paderborner Land) über das Zusammenspiel von Produktion, Schlachtung und Vermarktung ein Bild machen.

Das markengeschützte „Kikok“-Hähnchen – einprägsame Phantasiekombination aus „Kikeriki“ und französisch „Cog“ – sollte nach der Idee der Brüder Heiner und Werner Borgmeier eine echte Marktalternative zum immer schneller wachsenden Turbohähnchen sein.

So wurde in Gemeinschaft von Brüterei, landwirtschaftlichen Aufzuchtbetrieben, der ehemaligen CMA, dem Land NRW und der Landwirtschaftskammer Münster das neue „Kikok“-Konzept entwickelt und 1994 auch umgesetzt.

Ulrich Düfelsiek – heute Verkaufsleiter bei Borgmeier und damals Geflügelwirtschaftsberater der Landwirtschaftskammer – hat die Entstehungsgeschichte des „Kikok“-Hähnchens hautnah miterlebt: „Das war schon eine echte Pionierleistung der Gemeinschaftsarbeit aller Beteiligten“. Dabei habe das „Maishähnchen“ aus der Steiermark-Gastronomie die Idee der Ostwestfalen so richtig „beflügelt“.

14 Küken je m²

Am Anfang der Produktionskette steht die Brüterei, die den heute 20 Aufzuchtbetrieben ihre frisch geschlüpften Küken der Rasse „Ross 708“ liefert. Einer dieser Erzeuger ist Markus Hillemeier (Westenholz), der im Auftrag von Borgmeier die „Kikok“-Hähnchen aufzieht. Den Stall mit Strohhäckseleinstreu hat Vertragsmäster Hillemeier noch mit zusätzlichen belebenden Spielelementen wie Schaukel und Strohballen ausgestattet.

Alle „Kikok“-Aufzuchtbetriebe haben sich an folgende vertraglichen Vereinbarungen zu halten: Die Besatzdichte ist auf 14 Tiere je Quadratmeter begrenzt (in der herkömmlichen Hähnchenmast 20 Tiere) und die Fütterung auf Spezialfutter mit hohen Mais- und Getreideanteilen fixiert, das der Landwirt in Eigenregie von einer der drei Futtermittelfirmen beziehen kann. Die schonende Fütterung und Aufzucht der Hähnchen macht die Tiere weniger krankheitsanfällig, so kann auf Antibiotika-Gaben verzichtet werden. Ein weiterer Effekt: Das „Kikok“-Futter enthält weniger Fett und Protein, auf Grund dieser gezielten Energiereduzierung wird der Kreislauf entlastet und das Wachstum verlangsamt- das Fleisch wird somit fester und aromatischer.

Nach Aussage des Experten Düfelsiek endet die Aufzucht nach 46 Tagen mit einem Lebendgewicht von 2,3 Kilogramm und der typischen Gelbtonverfärbung, die sich ganz gezielt als optische Qualitätskennzeichnung von den „normalen“ Hähnchen abheben soll.

Täglich 120.000 Tiere geschlachtet

Am Standort Delbrück sind über 200 Borgmeier-Mitarbeiter sowie 80 Zeitarbeits- und 70 Werksvertragsmitarbeiter beschäftigt.

Für Unternehmenschef Werner Borgmeier gelten Frische und Qualität als wichtigste Grundpfeiler der Firmenphilosophie: „Hier machen wir keine Kompromisse und überlassen nichts dem Zufall“. Jede eingehende Hähnchen-Partie der Vertragsmäster werde nach Gesundheitsstatus, Sauberkeit und Fleischqualität beurteilt. Diese Beurteilung wirke sich als Bonus gestaffelt auf die Erzeugerpreiszahlung aus und verpflichte die Mastbetriebe zu äußerster Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit in der Tierhaltung. Rund fünf Prozent der insgesamt 120.000 täglich geschlachteten Borgmeier-Hähnchen stammen aus der „Kikok“-Mastlinie. Bezogen auf den Verkauf ganzer Hähnchen im Gewicht 1200 – 1800 g entfallen auf Kikok etwa 30 Prozent.

60 Prozent der „Kikok“-Hähnchen werden zerlegt und als Teilstückvariationen wie Filet (supreme und halb), Grillsteak mit Haut, Schenkel und Flügel ohne Spitze vermarktet. „Die größte Verbrauchernachfrage besteht immer noch nach Weißfleisch, also Brustfilets“, so Borgmeier, der ergänzt: „Alle angelieferten Hähnchen werden in unserem zertifizierten QS-Schlacht- und Zerlegebetrieb verarbeitet und als QS-Ware über unsere gut 500 QS-Großkunden abgesetzt“. Außerdem ist das Unternehmen Borgmeier GmbH & Co.KG sowohl nach dem International Featured Standard (IFS) zertifiziert als auch „Halal“-zertifiziert nach dem Qibla-Food-Standard, um den Markt für islamische Verbraucher bedienen zu können. Die Aufschrift „Halal“ ist der Hinweis für jene Kunden, vor allem türkische Lebensmittelhändler, die ihre Ware auf dem Großmarkt vom Großhändler holen und nach Halal fragen. Alle Kartons für den deutschen Großhandel, der Fleischereien beliefert, sind als „Qualitätsgeflügel aus Westfalen“ gekennzeichnet.

Geflügelfleischmarkt bleibt stabil

Wie wird sich der Geflügelfleisch-Markt entwickeln? Geflügelfleisch hat mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 19,4 kg/Jahr einen Anteil von 18 Prozent am deutschen Fleischmarkt erreicht. Unternehmer Werner Borgmeier ist davon überzeugt, das dieser Anteil stabil bleiben wird – allerdings auf Kosten von Schweine- und Rindfleisch. Eine der Hauptaufgaben dürfte es sein, die durch den „Dschungel von Siegeln und Labels“ verunsicherten Verbraucher wieder dazu zu bringen, dass sie Vertrauen haben. „Fleischkauf ist Vertrauenssache“, so Borgmeier. Als Unternehmer würde man alle Innovationen genauestens beobachten und auch Versuche in Tierhaltungs- und Schlachtungsfragen begleitend unterstützen. Als Beispiel nannte Borgmeier das „Schweizer Modell“, bei dem durch das Platzangebot von 30 Prozent der Fläche als Wintergarten die Besatzdichte deutlich reduziert wird.

Dem „Herrmannsdorfer Bratgockel“, der ab Anfang 2015 als Bioprodukt der Hermannsdorfer Landwerkstätten (München) auf den Markt kommen soll, räumt Werner Borgmeier bestenfalls „Minimarktchancen“ ein.

 

Dr. Dieter Barth

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