VDAJ-Jahrestagung Exkursion „Meat & More“: Von der Dorfmetzgerei zum Partner des LEH
In der Bezeichnung Landmetzgerei wird die familiäre Tradition und die Verwurzelung des Unternehmens Edwin Grasmehr GmbH im Weilburger Stadtteil Gaudernbach deutlich. Als kleine Dorfmetzgerei im Jahr 1963 gestartet, gehört das Unternehmen heute zum auf die Lebensmittelbranche spezialisierten Investor NutriUnited. Wie die Eigenständigkeit seitdem organisiert ist, erfuhren die Teilnehmer der Exkursion „Meat & More“ im Rahmen der VDAJ-Jahrestagung Ende August.
Die von NutriUnited erworbenen Betriebe behalten ihre eigene Identität, Rezepturen und regionale Markenführung, erläuterte Werner Grasmehr, der das Geschäft gemeinsam mit Tochter Nina führt. Die Metzgereien blieben eigenständig und profitierten andererseits von einem gemeinsamen Netzwerk und optimierten Abläufen. Die Firmenkultur und die operative Führung verbleiben in den Händen der Familie. „Wir haben eine gute Partnerschaft mit NutriUnited“, konstatierte Werner Grasmehr.
Einstieg als LEH-Lieferant mit Herausforderungen
Zu Anfang kaufte sein Vater noch das Vieh direkt bei den Bauern. Die ganze Familie war bei der Arbeit mit eingebunden. Von entscheidender Bedeutung bei der Unternehmensentwicklung war der Einstieg in die Belieferung des Lebensmitteleinzelhandels. In den frühen 70er Jahren wurde Grasmehr Lieferant der damaligen Handelskette HL, die von dem Bad Homburger Unternehmer Hugo Leibbrand gegründet wurde. Damit verbunden war ein großer Wachstumsschritt des Betriebs. Aber auch die Risiken stiegen, wie Grasmehr verdeutlichte.
Denn nach ein paar Jahren baute HL ein eigenes Fleischverarbeitungswerk, das heutige Rewe Fleischwerk Brandenburg, und ein Großteil des Umsatzes für Grasmehr brach weg. „Zum Glück hatten wir schon einen hohen Bekanntheitsgrad in der Branche, so dass wir mit der Handelskette Spar einen neuen Handelspartner finden konnten“, berichtete Werner Grasmehr.
Allerdings wiederholte sich der Wechsel der Handelspartner noch mehrfach. Unterdessen wuchs Grasmehr in Gaudernbach weiter, vor allem durch Umbauten von vorhandenen, auch landwirtschaftlichen Gebäuden. 1989 wurde die eigene Schlachtung eingestellt, weil die Anforderungen zu hoch wurden. Zuvor wurden jeden Montag 60 Schweine geschlachtet.
Standardisierte Vorprodukte
Heute bezieht das Unternehmen Fleisch ohne Knochen unter anderem von Premium Food (vormals Tönnies) als größtem Partner, von Westfleisch und von der Simon-Fleisch GmbH in Wittlich, außerdem, insbesondere für Produkte unter dem Gütesiegel „Geprüfte Qualität Hessen“, von dem Schlachtbetrieb Helwig in Schwalmstadt.
„Ein Vorteil der Fleischbelieferung ist, dass die Ware standardisiert, ist“, erklärte Grasmehr. „Wenn ich einen Magerfleisch-Fettanteil von 75 zu 25 Prozent bestelle, bekomme ich dies exakt geliefert, so dass die Rezepturen immer eingehalten werden. Denn wir wollen, dass die einzelnen Produkte immer gleich schmecken.“
Die eigenen Gewürzmischungen, zum Teil mit 20 Komponenten, bezieht das Unternehmen von zwei Gewürzmühlen. Die Geheimhaltung der Rezepte ist durch einen Notarvertrag abgesichert, erläuterte Werner Grasmehr.
Sortiment mit rund 200 Artikeln
Das Unternehmen produziert ein umfassendes Sortiment an Wurst- und Fleischwaren, insgesamt pro Woche rund 40 Tonnen. Das Sortiment umfasst rund 200 verschiedene Artikel. Dazu gehören Rohwurst, Kochwurst und Brühwurst. Der bekannteste Klassiker des Hauses ist die Grasmehr Fleischwurst. Weiterhin ist Grasmehr für die Grillbratwürstchen, die Käseknacker sowie die Original Frankfurter Würstchen und Original Frankfurter Rindswurst bekannt.
Hinzu kommen Fleischspezialitäten sowie gepökelte und gekochte Spezialitäten und Dosenspezialitäten. Die Waren werden sowohl für den Lebensmitteleinzelhandel (beispielsweise bei Rewe oder Edeka) für die Bedientheke und den Selbstbedienungs-Bereich als auch in größeren Verpackungseinheiten für Gastro-Großverbraucher und Kantinen produziert.
Fachkräfte sind Mangelware
Eine Herausforderung für das Unternehmen ist die Akquise von Mitarbeitern. Die 60 bis 70 Beschäftigten stammen mittlerweile aus über zehn verschiedenen Ländern. Grasmehr unternimmt viel, damit sich die ausländischen Mitarbeiter wohlfühlen und integriert werden, auch mit Sprachschulungen.
Auf die unterschiedlichen Bedürfnisse müsse man eingehen. Andererseits müsse man die Mitarbeiter an die hier strengen Regeln, unter anderem der Hygienerichtlinien, heranführen. Auch die steigenden Anforderungen des Handels unter anderem an Tierhaltungsstandards, sieht Werner Grasmehr als eine Herausforderung. Der damit erhöhte Aufwand für die landwirtschaftlichen Erzeuger und die Fleischverarbeiter würden dabei nicht ausreichend honoriert, kritisierte er.
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10. FORUM FriedensBrot
Das 10. FORUM FriedensBrot findet am Mittwoch, 4. November 2026, 19.00 bis 21.30 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) im Besucherzentrum Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße 119, 13355 Berlin statt.
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