VDAJ-Jahrestagung Exkursion „Meat & More“: Auf besonderes Fleisch gesetzt
Wie ein Quereinsteiger mit innovativen Ideen erfolgreich in die Fleischvermarktung von Schweine- und Rindfleisch einsteigen kann, erfuhren die Agrarjournalisten bei der zweiten Station der Tour „Meat & More“.
Die Exkursion führte auf den Hof Birkeneck am Rand von Hadamar-Steinbach, umgeben von den Hügeln und Weiden des Westerwalds. Auf dem Hof leben Manuel und Carina Schneider mit ihrer Familie, die sich hier unter dem Namen „Meat by nature“ ein Start-up aufgebaut haben, das sich der nachhaltigen Produktion von hochwertigem Fleisch verschrieben hat.
Mit Waldweide fing alles an
Der Betriebsleiter ist kein gelernter Landwirt, sondern Maschinenbautechniker. „Aber ich habe schon auf dem Hof meines Großvaters gerne mitgearbeitet“, verriet er. Auf einer Geschäftsreise in Spanien und nach dem Genuss des bekannten Iberico-Fleisches kam ihm die Idee, selbst Schweine im Freiland zu halten, um hierzulande höchste Fleischqualität unter möglichst naturnahen Bedingungen zu erzeugen. Auf einer Waldweide und in einem selbst gebauten Stall – einem Seecontainer - mit zehn Schweinen unterschiedlichster Rassen fing alles an. Manuel Schneider sammelte Erfahrungen und Ideen für das heutige Betriebskonzept. 2017 erhielt er die Möglichkeit, den Hof Birkeneck zu übernehmen und entschied sich bei der Schweinerasse für die Haltung von Durocs.
Duroc - eine überzeugende Schweinerasse
„Das Duroc hat uns überzeugt - sowohl das Produkt als auch die gute Gesundheit der Tiere. Das Fleisch des Freilanddurocs ist feinmamoriert und hat einen hohen intramuskulären Fettgehalt. Dieser macht das Fleisch saftig zart und unheimlich lecker“, versicherte der Betriebsleiter, der mit seiner Familie knapp 100 ha Acker und Grünland bewirtschaftet. Schwerpunkt sind die 180 Weide-Duroc-Schweine mit Direktvermarktung des Fleischs im Hofladen und im Onlineshop (www.meatbynature.de). Die Durocs leben in einem Offenstall mit Stroh, der speziell für ihre Bedürfnisse entwickelt wurde. Jederzeit haben sie Zugang zu einer 1 ha großen Weide, auf der sie sich bewegen, umherrennen, im Boden scharren und sich suhlen können. Das Futter für die Schweine produziert Familie Schneider selbst. Verfüttert wird ausschließlich eigenes Getreide, Kartoffeln, Eicheln, Obst und Grassilage.
Tierschutzpreis für hervorragende Haltung
Und was ist das Besondere am Stallkonzept der Scheiders? „Wir könne mit unserem Konzept die arbeitswirtschaftlichen Vorteile der Stallhaltung mit den Vorteilen der artgerechten Freilandhaltung verbinden“, meint hierzu der Betriebsleiter. Im Liegebereich im Stall wurde eine Kleinklimazone eingerichtet, wohin sich die Tiere bei niedrigen Temperaturen zurückziehen können. Für sein nicht alltägliches Haltungskonzept wurde der Betrieb 2020 mit dem hessischen Tierschutzpreis in der Landwirtschaft und 2022 mit dem Innovationspreis Tierwohl der Initiative Tierwohl (ITW) ausgezeichnet.
Die reinrassigen Durocs stammen von einem Betrieb in Brandenburg und kommen mit einem Gewicht von 30 kg auf den Hof Birkeneck. Geschlachtet werden sie im Vergleich zu Schweinen aus der konventionellen Haltung etwas später. „Sie sind bei der Schlachtung etwa acht Monate alt und bringen 115 kg auf die Waage“, so der Duroc-Halter. Pro Woche werden von einem nahegelegenen Metzger zehn Mastschweine geschlachtet und verarbeitet.
Aberdeen Angus und Wasserbüffel
Die Schneiders setzen ihn ihrem Betrieb auch auf ein besonderes Rindfleisch. Neben einer Mutterkuhherde mit Limousins, die er vom Vorbesitzer des Betriebs übernommen hat, hält beziehungsweise züchtet Manuel Schneider Aberdeen Angus. Diese Rasse verwerte schlechtes Grünland am besten und verfüge über eine besondere Fleischqualität, sagt er. Seit vier Jahren ist er dabei, eine Herde mit Hilfe von Embryo Transfer aufzubauen. Die Embryonen kommen aus den USA und aus Schottland. Ausselektierte Tiere der Aberdeen-Angus-Herde, die inzwischen 15 Mutterkühe umfasst, werden geschlachtet und ihr Fleisch ebenso wie das der Limousins selbst vermarktet.
Und eine weitere ganz besondere Rinderrasse gibt es auf dem Hof Birkeneck: Wasserbüffel. Ein Bulle und drei Kühe mit Nachzucht grasen auf den Weiden des Betriebs in Steinbach. Das Fleisch von ein bis zwei Wasserbüffeln pro Jahr wird ebenfalls von den Schneiders selbst vermarktet. Und wie schmeckt Wasserbüffel? „Das Fleisch ist eine Mischung aus Rind- und Wildfleisch“, erläuterte der Büffelhalter den VDAJlern.
Produkte kommen an
Das Angebot von „Meat by nature“ umfasst traditionelle „Bichseworscht“ bis hin zu Koteletts, Fleischwurst, Nacken- und Hüftsteaks sowie die Durami-Wurst und sowie Rindfleisch und -wurst. Die Produkte des Betriebs sind gefragt. Die Kunden sind neben der Gastronomie vorrangig Privatpersonen aus der Region, aber auch aus großen Städten wie Darmstadt und Köln. „Wir beliefern auch einige Sternerestaurants im Taunus“, freut sich Manuel Schneider.
Der Quereinsteiger gibt zu, dass er und sein Betriebskonzept von den Landwirten aus der Region am Anfang kritisch beäuget wurden. Aber das sei kein Thema mehr, versichert Manuel Schneider, der nach wie vor in seinem Beruf als Sachverständiger für Druckgeräte tätig ist. Während er unterwegs ist, kümmert sich ein fester Mitarbeiter um die Tiere auf dem Hof und Carina Schneider kümmert sich - unterstützt von den drei Kindern - um die Direktvermarktung des Fleisches. „Wir sind zufrieden, mit dem was wir machen. Für unseren Betrieb ist es das richtige Konzept“, lautet Manuel Schneiders Fazit.
Termine
10. FORUM FriedensBrot
Das 10. FORUM FriedensBrot findet am Mittwoch, 4. November 2026, 19.00 bis 21.30 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) im Besucherzentrum Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße 119, 13355 Berlin statt.
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