Politik anders machen: Hessen setzt auf Dialog und Freiwilligkeit
Den hessischen Weg in der Landwirtschafts- und Umweltpolitik hat der dafür zuständige Minister Ingmar Jung kürzlich Mitgliedern des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ während einer Fragestunde im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung in Limburg erläutert.
Dazu gehört laut Jung der Dialog mit den Betroffenen, insbesondere mit den Landeigentümern und -bewirtschaftern, sowie Kooperation und Freiwilligkeit statt Ordnungspolitik. Als Beispiel für dieses Vorgehen nannte er das Gesetz zum Grünen Band entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Hier waren zuvor Bewirtschaftungseinschränkungen erlassen worden, die mit der Novellierung unter der neuen Landesregierung revidiert wurden, wie Jung den Journalisten erklärte, die in Limburg ihre bundesweite Jahrestagung ausrichteten.
Als ein Beispiel für Pragmatismus nannte er die Entscheidung zu Beginn seiner Amtszeit, die Düngung auf gefrorenem Boden zuzulassen. Auch der Umgang mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) habe gezeigt, dass Politik erfolgreich sein könne, wenn sie pragmatisch und unbürokratisch handele. So sei es gelungen, in Zusammenarbeit mit den Kommunen schnell eine Lösung mit dem Bau von Schutzzäunen umzusetzen.
Umwelt und Landwirtschaft unter einem Dach
Als Umweltminister sehe er die enge Verbindung zwischen Umwelt-, Landwirtschafts- und Forstpolitik. Dass alle drei Bereiche (darüber hinaus Weinbau, Jagd und Heimat) in einem Ministerium gebündelt seien, sieht er als Vorteil. Wenn jedes Ressort nur seine eigene Agenda verfolge, werde es schwierig. Hier habe man nachgebessert und die Zusammenarbeit funktioniere heute bereits besser.
Mit Blick auf die Frage, wie junge Menschen für die Übernahme landwirtschaftlicher Betriebe gewonnen werden können, kritisierte Jung den bisherigen Ansatz der EU-Kommission. Eine Junglandwirteprämie sieht er skeptisch. Danach werde er aus der Praxis im Übrigen nie gefragt. Entscheidend seien vielmehr die politischen Rahmenbedingungen und dass sich eine Betriebsübernahme wirtschaftlich lohne. Wer heute in einen neuen Stall investiere, müsse darauf vertrauen können, dass die Rahmenbedingungen nicht nach wenigen Jahren wieder grundlegend verändert werden.
Förderung für die Mehrgefahrenversicherung
Mit Blick auf die zurückliegende Trocken- und Hitzeperiode und der Engpässe auf den Betrieben insbesondere im Futterbau verwies er auf die Mehrgefahrenversicherung, für die es in Hessen eine staatliche Förderung geben solle. Nach seiner Vorstellung soll die Förderung im nächsten Jahr starten. Allerdings müsse der Landtag über die entsprechenden Haushaltsmittel entscheiden. Ziel sei eine Mehrgefahrenversicherung, die die wichtigsten Risiken abdeckt. Gleichzeitig müsse klar sein, dass Betriebe, die sich bewusst nicht versichern, im Schadensfall künftig nicht auf staatliche Hilfe hoffen können.
Für den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) sei ein Konzept erarbeitet worden, das geprüft und abgestimmt werde, betonte Jung. Die landwirtschaftliche Grundberatung solle erhalten bleiben. Sie stehe den Betrieben derzeit zu vergleichsweise geringen Kosten zur Verfügung. Offen sei jedoch, wie mit hochspezialisierten Beratungsleistungen umgegangen werde.
Waldumbau und klimastabile Arten
Bezüglich der Forstpolitik verteidigte Jung die Aussetzung der FSC-Zertifizierung und bezeichnete sie als nicht flexibel genug, um schnell auf die Folgen des Klimawandels und abgestorbene Waldflächen zu reagieren. Ohne die engen FSC-Vorgaben können Förster freier agieren, etwa alternative, trockenheitsresistente Baumarten anpflanzen. An der Zertifizierung kritisierte er außerdem, dass hierbei in verschiedenen Ländern unterschiedliche Anforderungen erfüllt werden müssten. Dies sei nicht nachvollziehbar und den Verbrauchern nicht zu vermitteln. Außerdem hob er die neue Richtlinie zur forstlichen Förderung hervor, mit der unter anderem eine größere Auswahl an klimastabilen Baumarten wie Roteiche und Douglasie zur Verfügung steht.
Der Begriff „Heimat“ umschließt alle
Auf die Frage nach dem Heimatkonzept von Ministerpräsident Boris Rhein erklärte Jung, dass Heimat eng mit dem ländlichen Raum verbunden sei. Dazu gehörten Mundart, Volkstanzgruppen, Vereine und das große ehrenamtliche Engagement. Viele Menschen engagierten sich in ihren Gemeinden, und dieses Ehrenamt wolle man erhalten und stärken. Diese Initiativen könnten jetzt auch besser gefördert werden.
Zugleich sprach sich der Minister dafür aus, den Begriff „Heimat“ nicht als politisch problematisch zu betrachten. Heimat sei kein Ausgrenzungsbegriff, sondern umfasse alle Menschen, die hier lebten. Der Begriff dürfe nicht politisch umgedeutet werden.
Regionalität soll punkten
Der Minister verwies auch auf die rückläufige Schweinehaltung in Deutschland. Die Politik könne zwar die Rahmenbedingungen geben, den Markt selbst jedoch nicht steuern. Deshalb setze die Landesregierung verstärkt auf regionale Produktion und Verarbeitung. Ein Beispiel dafür sei die Kampagne „Hessens schmecken“. Ziel sei es, heimische Produkte besser zu vermarkten und die Wertschätzung für regionale Lebensmittel zu erhöhen.
Wertschätzung für heimische Produkte
Abschließend sprach Jung über die Wahrnehmung regionaler Produkte. Häufig würden Produkte aus dem Ausland als hochwertiger wahrgenommen als vergleichbare heimische Erzeugnisse. Dagegen kämpfe er an, auch auf Veranstaltungen, wie er berichtete. Das eigentliche Problem beim Weinkonsum sieht er in dem hohen Anteil an ausländischen Weinen. Er spreche bewusst nicht von Weinkrise. Denn dies sei imageschädigend. Außerdem sieht er, dass sich Konsumtrends wieder ändern können.
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Das 10. FORUM FriedensBrot findet am Mittwoch, 4. November 2026, 19.00 bis 21.30 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) im Besucherzentrum Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße 119, 13355 Berlin statt.
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