Gudrun Koeck und Mechthilde Becker-Weigel

Exklusive Fachinformationen auf der Grünen Woche

Die für VDAJ-Mitglieder exklusiven Pressegespräche fanden am Eröffnungstag der Messe, am Freitag, den 16. Januar statt. In zwei Rundgängen trafen die Journalistengruppen Aussteller der Halle 3.2 ErlebnisBauernhof zum Informationsaustausch.

Mit den Augen einer Kuh

Das Netzwerk Fokus Tierwohl präsentierte an seinem Stand VR-Brillen, die das Sichtfeld und das Sehvermögen von Rindern, Schweinen und Pferden simulieren. Klar, dass auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des VDAJ-Rundganges durch den Erlebnisbauernhof sich diese auf die Nase setzten. „Wer weiß, dass Pferdeaugen länger als das menschliche Augen brauchen, um von Dunkel auf Hell umzustellen, versteht, warum ein Pferd an der offenen Stalltüre die Bremse reinhaut“, sagte Susanne Gäckler. Es sieht nämlich nur ein weißes Loch. 

Auch jenseits der Grünen Woche ist das Angebot des Netzwerkes Fokus Tierwohl gefragt. Das Interesse an den bundesweit angebotenen, dank der Förderung durch Bundesmittel kostenlosen Veranstaltungen sei enorm, berichtete Gäckler. Seit dem Start des Netzwerkes im Jahr 2000 wurden mehr als eine halbe Million Teilnehmer an Onlineformaten und Vor-Ort-Veranstaltungen gezählt. Zusätzlich stehen auf der Homepage (www.fokus-tierwohl.de) Leitfäden, Poster, Fachvideos und Podcast-Angebote rund um Tierhaltung, Tiergesundheit und Tierwohl bereit. „Unser Ziel ist es, Landwirte, aber auch Berater, Politiker und Verbraucher zu erreichen, um die Landwirtschaft gemeinsam zu verbessern und zukunftsfähig zu machen.“ Der Wissenstransfer steht an oberster Stelle. Beteiligte am Netzwerk sind die Landesanstalten und Landwirtschaftskammern der Bundesländer, die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) sowie das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl). 

Regenerative Landwirtschaft für Maggi

Das Lebensmittelgroßunternehmen Nestlé hat sich auf die Fahnen geschrieben, bis 2030 50 Prozent der wichtigsten Rohstoffe von Landwirten zu beziehen, die regenerative Anbaumethoden anwenden. In Berlin erklärte Nachhaltigkeitsmanagerin Andrea Schwalber den Agrarjournalisten, wie das für Gemüse und Gewürze für die Maggi-Produktion, eine der Nestlé-Kernmarken, umgesetzt werden soll. Verfolgt werde ein holistischer (ganzheitlicher) Ansatz, der neben den Anbaumethoden auch das Wasser-, Energie- und Abfallmanagement berücksichtige mit dem Ziel, auch die Lebensgrundlagen der Landwirte zu verbessern. 

Nach dem Start als Pilotprojekt 2013 im Tomatenanbau in Spanien, dem wichtigsten Maggi-Rohstoff, wurde das Programm bis heute in 20 Kulturen auf 1.200 Betrieben in elf Ländern auf insgesamt 16.000 Hektar ausgerollt. Während der Umstellung auf regenerative Anbaumethoden erhalten die Landwirte Schwalber zufolge eine finanzielle Unterstützung. Die Höhe wurde allerdings nicht benannt, wie auch der eigentliche Nutzen für die landwirtschaftlichen Betriebe im Diffusen blieb.

Forderungen für die Zukunft

Beim Rundgang mit Tourguide Klaus Schumacher standen zentrale agrarpolitische Zukunftsfragen im Mittelpunkt – von Pflanzenzüchtung und Pflanzenschutz bis hin zu neuen Vermarktungsmodellen im Handel.

Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) setzte auf der Grünen Woche einen Fokus auf die Pflanzenzüchtung als strategische Vorsorge, moderne Resilienzpolitik und die Einigung zu neuen genomischen Techniken (NGT). Klimatische Veränderungen, neue Schadorganismen und geopolitische Unsicherheiten haben das Verständnis von Versorgungssicherheit grundlegend verändert. Dennoch sind die politischen Debatten vielfach von kurzfristiger Krisenbewältigung geprägt und der strategische Fokus liegt auf Energie, Infrastruktur oder Digitalisierung. Sorten und Saatgut als Grundlage des Agrar- und Ernährungssystems werden bislang nicht in gleichem Maße als Teil moderner Vorsorgepolitik wahrgenommen, betonte BDP Geschäftsführer Dr. Carl-Stephan Schäfer vor den Mitgliedern des VDAJ. Er machte deutlich, wie notwendig dafür die Beschleunigung politischer Prozesse und Entscheidungen sei, um EU Standards aufzustellen.

Fehlkonstruktion beim Zulassungsprocedere

Eine strangulierende EU-Regulierung bei der Genehmigung neuer Wirkstoffe und ein übertrieben bürokratisches Zulassungssystem in Deutschland hemmen den Zugang der Landwirtschaft zu innovativen Pflanzenschutzmitteln – ein Problem insbesondere für den heimischen Obstbau, den die Politik eigentlich stärken wollte. Der Industrieverband Agrar (IVA) richtet klare Erwartungen an das Bundeslandwirtschaftsministerium für eine Modernisierung des deutschen Zulassungssystems, erläuterte IVA-Geschäftsführer Martin May. Der Verband fordere eine grundlegende Neuausrichtung mit einer verantwortlichen Zulassungsbehörde, die er im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sehe. Dass eine Bewertungsbehörde, das Umweltbundesamt, ein de facto Veto-Recht habe, sei eine Fehlkonstruktion, die korrigiert gehöre.

Gemeinsame Strategien

Die REWE Group zeigte in diesem Jahr auf dem ErlebnisBauernhof anhand konkreter Projekte, wie das Handelsunternehmen versucht, gemeinsam mit der heimischen Agrarbranche zukunftsfähige und nachhaltige Vermarkungslösungen zu entwickeln. Dazu zählen unter anderem die Vermarktung von Bio-Umstellungsware, Regionalfleischprogramme mit höheren Tierhaltungsformen sowie eine enge Partnerschaft mit lokalen Erzeugern. Zuständig im Konzern ist dafür das Kompetenzzentrum Landwirtschaft. Ein Novum ist, dass im Kölner Projektbüro in die Entscheidungsprozesse neben Vertretern der REWE-Fachabteilungen, Landwirte und Landwirtinnen sowie Wissenschaftler eingebunden sind. 

Jetzt bewerben
Journalistenpreis "Grüne Reportage 2026"

Der Verband Deutscher Agrarjournalisten e. V. (VDAJ) schreibt zum achten Mal den Journalistenpreis „Grüne Reportage“ aus. Gesucht werden Beiträge mit Relevanz für die Landwirtschaft und ihren vielfältigen Aufgaben.

 

Mehr

Termine

Masterclass: Bewegtbild für Social Media. Videoproduktion mit dem Smartphone für Agrarjournalist*innen

Startdatum 12.02.26
Startzeit 10:00
Enddatum 13.02.26
Endzeit 15:00

Die Landesgruppe BE/BB/TH/SN schreibt bundesweit das erste VDAJ-Fortbildungsseminar des Jahres 2026 aus. Das Seminar findet am 12./13. Februar in Berlin statt. Eine Anmeldung ist bis zum 4. Februar 2026 möglich.

Details zum Termin