Christian Kionka

Nichts tun ist keine Option

Nichts tun ist keine Option, betonte Stefan Fenner, Leiter des Forstamts Bad Lauterberg der niedersächsischen Landesforsten. Ob Sturmschaden, saurer Regen, Trockenheit und Borkenkäfer – immer wieder müssen Schäden beseitigt und die Fläche wieder aufgeforstet werden.

Holz ist ein gefragter Rohstoff und der Wald ein Kulturgut. Mit knapp 50 Mitarbeitenden betreut das Forstamt Bad Lauterberg rund 16.000 Hektar Waldfläche im Harz. Zum großen Teil in direkter Nachbarschaft zum Nationalpark. Vor den VDAJ-Kollegen der Landesgruppe Niedersachsen und Teilnehmenden des befreundeten VDL rekapitulierte Fenner die großen Sturmereignisse der vergangenen Jahrzehnte. Jedes Mal mussten zusätzlich zum normalen Einschlag von rund 100.000 Kubikmetern Holz zusätzliche Mengen geborgen und vermarktet werden. Jedes Mal hatte seine motivierte Truppe es geschafft, betonte Fenner.

Stefan Fenner (Mitte) hatte die ganze Aufmerksamkeit der niedersächsischen Kolleginnen und Kollegen.
Foto: Klaus Strotmann

Mit dem Geruchssinn dem Schädling auf der Spur

Seit der Borkenkäfer in Verbindung mit der Trockenheit die Fichtenbestände befällt, ist die Dimension noch größer geworden. Anfangs wurden befallene Bäume gesucht, was gar nicht so einfach ist. Man erkennt sie nur an dem Bohrmehl und, wer einen guten Geruchssinn hat, am typischen süßlichen Pheromongeruch. Den verströmen die bohrenden Männchen, um die weiblichen Exemplare hinter die Borke zu locken. Die identifizierten Bäume wurden aus dem Bestand entnommen, viele blieben jedoch unerkannt. Mit den Jahren wurden es immer mehr, der Befall und die Schäden nahmen überhand und schließlich mussten die Flächen aufgegeben werden. Jeder kennt die Bilder von den kahlen Stämmen im Harz. So stieg der Einschlag im Extremjahr 2020 von den üblichen 100.000 auf 435.000 Kubikmeter.

Kiefernholz hat viele Vorteile

Eine sachgerechte Wiederaufforstung ist die einzige Möglichkeit, um nach den abgestorbenen Fichten gemischte Bestände zu erhalten. Dennoch hat Nadelholz nach wie vor seine Berechtigung, betonte der Forstamtsleiter. Keine andere Holzart hat so lange Fasern und ist deshalb für die Bauwirtschaft so gut geeignet. Besonders schwärmte der gebürtige Nordhesse, der das Forstamt seit gut zehn Jahren leitet, von der in seiner Heimat ansässigen Kiefer. Diese erweist sich auch im Harz als besonders robust. 

Nachfrage beeinflusst den Bestand

Bereits 3,7 Millionen Bäume unterschiedlichster Arten wurden in den vergangenen Jahren gepflanzt, jeder kostet rund zwei Euro. Zwölf verschiedene Baumarten stehen im Bereich des Forstamts Bad Lauterberg. Größten Anteil hat die Buche mit etwa 30 Prozent, die vielgescholtene Fichte liegt bei 18 Prozent. Besonders würdigte Fenner die Roteiche, die in ferner Zukunft das Material für hochwertige Möbel liefert. Denn auch Wirtschaftlichkeitserwägungen, wie Nachfrage und Vermarktung sowie wirtschaftliche Flächengrößen, sind wichtige Kriterien bei der Wiederaufforstung. 

Förster denken in Generationen

Nach dem Räumen befallener Flächen ist viel Handarbeit erforderlich, um die neuen Bestände anzulegen. Und dann braucht es Geduld. Das Einsehen, dass erst in der übernächsten Generation ein stattlicher Wald daraus erwachsen kann, muss man als Förster ohnehin haben. Erstes Ziel ist, dass sich die Bestände selbst verjüngen und durch den Samenflug durchmischen. Das ist jedoch nach der Pflanzung erst in rund 20 Jahren zu erwarten. Bei vor zwei Jahren gesetzten, heute kniehohen Kiefern, wünscht sich der 50jährige Fenner zu seiner Pensionierung etwa raumhohe Bäume.

Stefan Fenner nahm sich viel Zeit, um die Herausforderungen der Aufforstung zu erläutern.
Foto: Klaus Strotmann

Auch Bäume kriegen Sonnenbrand

Die kahlen Stämme im Harz bleiben teilweise stehen. Mal in einer Höhe von zwei Metern, mal etwas höher. Damit erzeugen sie über den Tag mit dem Lauf der Sonne einen Schatten, der über den Boden wandert. In ihrer Stammachsel verfängt sich zudem der Regen und versorgt den Steckling, der zu ihren Füßen gepflanzt wurde. Dadurch werden junge Pflanzen und der Boden vor Sonnenbrand und Austrocknung geschützt.

Jungpflanzen vor Wildbiss schützen

Eine große Bedrohung für die jungen Bäumchen stellt der Wildverbiss dar. Der Harz ist für große Rotwildbestände bekannt, die aus dem Dickicht des Nationalparks in die Kulturbestände ziehen und großen Schaden anrichten. „Ein Prozent Wildverbiss pro Jahr sind in Ordnung,“ sagte Stefan Fenner. Die Realität sieht jedoch anders aus: Etwa zehn Prozent verzeichnet das Forstamt pro Jahr. Man kann sich leicht ausrechnen, wann alle Bäume eines nachgepflanzten Bestandes betroffen sind. 

Abhilfe dagegen: ausgiebige Jagd! Das Forstamt Bad Lauterberg hat einen Berufsjäger unter den Mitarbeitern und veranstaltet darüber hinaus einige Male im Jahr große Bewegungsjagden. „Wer Wald will, muss jagen!“ Auch dabei ist Fenner ganz klar. Das Einzäunen junger Bestände kommt nur für die besonders wertvollen Eichen infrage. Bei den anderen Arten würde das alle Mittel und Möglichkeiten überschreiten.

Wer Wald will, muss jagen!

Stefan Fenner

Nichts tun ist keine Option und im Forst wird noch generationsübergreifender gedacht als in der Landwirtschaft. Mit einem neuen Blick auf die Herausforderungen für einen gesunden Wald konnten sich die Teilnehmer dankend verabschieden. Der Mythos Wald sorgt in Deutschland auch dafür, dass es genauso viele Förster wie Bundestrainer gibt. Der Besuch im Forstamt Bad Lauterberg hat die Realität nähergebracht.

Blick über die Waldflächen des Harz.
Foto: Klaus Strotmann

Termine

VDAJ Mitgliederversammlung 2026

Startdatum 28.08.26
Enddatum 29.08.26

Save the Date: Die diesjährige Mitgliederversammlung (mit Rahmenproramm) findet am Freitag/Samstag, den 28./29. August 2026, im hessischen Limburg an der Lahn statt.

Details zum Termin