Im Gespräch mit Ministerin Miriam Staudte
Als „gute Tradition“ bezeichnete die Pressesprecherin des niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Stefanie Geisler, den Austausch der VDAJ-Landesgruppe Niedersachsen/Sachsen-Anhalt mit Ministerin Miriam Staudte. Man traf sich bereits das dritte Mal in dieser Legislaturperiode.
Treffpunkt war auch in diesem Jahr wieder das Gästehaus der Landesregierung in Hannover. Ein besonderes Kompliment an den VDAJ war die hochrangige Zusammenstellung der Gesprächsrunde: Die Ministerin kam in Begleitung ihrer Staatssekretärin Frauke Patzke.
Koordination der Krise
erwartungsgemäß breiten Raum ein. Die Bedeutung der Agrar- und Ernährungswirtschaft für die Ernährungssicherheit der Bevölkerung erfordern Maßnahmen der Landesregierung, die das Ministerium von Miriam Staudte koordiniert.
Das Netzwerk Krisenvorsorge, der sicherheitspolitische Dialog und die Abstimmung mit dem Landeskommando Niedersachsen antizipieren Szenarien für Notfälle wie Stromausfall, Cyberattacken und weitere denkbare Konsequenzen eines NATO-Krisenfalls. Ziele sind die Stärkung der Eigenvorsorge der Bevölkerung sowie die Einbindung von Land- und Ernährungswirtschaft und des Lebensmitteleinzelhandels.
Sicherheitslage als Dauerthema
Ministerin Staudte berichtete über verschiedene Gesprächsrunden zur Sicherheitslage. Es geht dabei um Energieautarkie in Landwirtschaft und Tierhaltung, um die Zuteilung von Lebensmitteln, Notstrom-Versorgungkonzepte oder um Gemeinschaftsstrukturen im ländlichen Raum. Die Gesprächsrunden sind Bestandteil einer öffentlichen und in die Landwirtschaft gerichteten Kommunikation zu diesem wichtigen Thema. Ziel ist eine schnellstmögliche Resilienz.
Mehr Biosicherheit – weniger Tierseuchen
Vor diesem Szenario verblasste im VDAJ-Gespräch fast die Vogelgrippe im Herbst/Winter 2025/26. Allein in Niedersachsen gibt es inzwischen über 1,5 Millionen verendete oder getötete Tiere in Folge der Seuche. Die Entsorgungskosten von 35 Millionen Euro und wirtschaftlichen Auswirkungen belasten Tierhalter und Verarbeitungsbetriebe gleichermaßen. Miriam Staudte erläuterte die Diskussionen zur künftigen Vorsorge vor Epidemien, die sehr intensiv geführt werden. Dazu gehören neben der Biosicherheit auch die Themen Stallpflicht, Impfung oder längere Leerstehzeiten bei akuter Gefährdung in einer Region. In Niedersachsen gibt es ein Wildvögel-Monitoring. Auch sie können die Vogelgrippe übertragen.
Klimawandel wird die Landwirtschaft verändern
Der Klimawandel hat in Niedersachsen bereits heute zu einer Erwärmung von zwei Grad geführt. In zehn Jahren werden drei bis vier Grad Erwärmung erwartet. Wissenschaftler sind sich einig, dass sich bislang kühlere Regionen stärker erwärmen werden als der erwartete Durchschnitt. Heftige Niederschläge, die nicht mehr gleichmäßig verteilt sind, im Wechsel mit Hitze- und Dürreperioden werden u.a. die Folge sein.
Die Ministerin wies darauf hin, dass das Land Niedersachsen allein für Maßnahmen zum Wassermanagement 100 Millionen Euro Fördermittel bereitstellt. Auch das Netzwerk Ackerbau Niedersachsen (NAN) erprobt die Klimafolgen für die Landwirtschaft und Anpassungsstrategien in Untersuchungen von Sorten und Anbauverfahren.
Invasive Arten nur schwer zu kontrollieren
Niedersächsische Experten forschen intensiv an invasiven Arten wie der Schilf-Glasflügelzikade. Sie treten als Überträger von Viruskrankheiten an Kartoffeln, Zuckerrüben, Möhren und anderen Fruchtarten auf. Deren Lebenszyklus und Paarungsverhalten sind bedürfen eines integrativen Ansatzes, der alle Instrumente des Integrierten Pflanzenbaus aus Fruchtfolgegestaltung, Sortenwahl, Aussaat- und Erntezeitpunkt, Bodenbearbeitung und chemischen Pflanzenschutz nach vorherigen amtlichen Warndienstaufruf des Pflanzenschutzamtes der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bedarf.
An den Ausbreitungsszenarien wird bundesweit intensiv geforscht. Wie Befallssituationen in Frankreich und Süddeutschland zeigen, können die Zikaden und die von ihnen übertragenen Krankheiten zu existenziellen Ertragseinbußen führen.
Die Klimaanpassung nimmt in der Landwirtschaft einen mindestens genauso breiten Raum ein wie die Bemühungen, die globale Temperaturzunahme zu bremsen. Der Anstieg des Meeresspiegels, der künftig zu erwarten ist, wird noch ganz andere Herausforderungen mit sich bringen.
Bürokratieabbau auf gutem Weg
Erste Erfolge vermeldet Miriam Staudte beim Bürokratieabbau. Dazu zählt die Ministerin die Hoftorbilanz bei der Düngung, den digitalen Antrag für Direktzahlungen und einige Apps, die sich im Praxistest befinden. Im Gespräch mit den VDAJ-Mitgliedern diskutierte sie neue Züchtungsmethoden für mehr Pflanzengesundheit, Resistenzvorsorge und damit bessere Ernährungssicherung, die Effekte einer Zuckersteuer auf energiehaltige Softdrinks, zur Verringerung des Übergewichts vor allem bei Jugendlichen wurden diskutiert.
Der erste Vorsitzende der VDAJ-Landesgruppe Klaus Strotmann dankte Ministerin Miriam Staudte und der Staatssekretärin Frauke Patzke im Namen der Teilnehmenden für den offenen, vertrauensvollen Austausch und den Einblick in den „Maschinenraum“ des Ministeriums. Die Landesgruppe freut sich auf die Fortsetzung dieses besonderen Gesprächsformats. Klaus Strotmann lud beide Politikerinnen zum Bundeskongress des VDAJ ein. Dieser findet im August 2027 auf der Burg Warberg statt.
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