Entgegen dem Trend: Drei Brüder übernehmen den Hof
In Niedersachsen geben viele landwirtschaftliche Betriebe auf, auch Betriebe mit Schweinehaltung. Bei Familie Oestmann aus Rethem (Heidekreis) gibt es den Gegenentwurf: Die drei Söhne wollen gemeinsam durchstarten. Die VDAJ-Landesgruppe Niedersachsen/Sachsen-Anhalt hat sie besucht.
Es sei schon eine besondere Herausforderung, stellt Jochen Oestmann lachend klar. Er meint damit die Tatsache, dass seine drei Söhne Jan Ole, Malte und Lasse gemeinsam den elterlichen Betrieb weiterführen wollen. Zurzeit wird dieser noch von ihm und seiner Ehefrau Rita geführt. Doch die Übernahme steht an.
Hofnachfolge mit Weitblick geplant
Dass das keine Sache ist, die von heute auf morgen geregelt ist, wird den Besuchern der VDAJ-Landesgruppe Niedersachsen/Sachsen-Anhalt schnell klar, als der 24-jährige Lasse von den vielen Überlegungen erzählt: Er und seine beiden älteren Brüder haben alle eine landwirtschaftliche Ausbildung und möchten den Betrieb der Eltern zusammen weiterführen. Doch was ist, wenn einer später einmal aussteigen möchte? Wie kann er dann ausgezahlt werden? Was ist, wenn es Streit gäbe oder einer versterben würde?
Beratung für mehr Rechtssicherheit
Diese und viele andere Fragen haben die drei Brüder nicht nur mit ihren Eltern diskutiert, sondern auch mit einer sozioökonomischen Beraterin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, mit dem Steuerberater oder mit einer Rechtsanwältin: „Es muss alles auch rechtssicher sein,“ so Lasse Oestmann. Aktuell wird über das Modell „Stiftung“ gesprochen.
Neuer Schweinestall schafft Perspektiven
Damit alle drei Brüder vom Betrieb leben können, wurde er vor vier Jahren um einen neuen Schweinestall erweitert. Gebaut wurde ein Strohstall mit Auslauf und Platz für 1.500 Tiere. Dieser entspricht der Haltungsform 3 des Lebensmittelhandels (LEH). Die Abnahme ist über einen Dreiecksvertrag mit einem Schlachthof und Kaufland geregelt. Die Schweine der Haltungsform 2 werden in ein regionales Programm vermarktet.
Biogasanlage als zweites Standbein
Weiterer wichtiger Betriebszweig ist die Biogasanlage mit 1,9 MW installierter Leistung. Sie wurde 2004 gebaut, 2024 lief die 20-jährige EEG-Vergütung aus. Seitdem befindet sich die Anlage in der bis 2025 laufenden Anschlussvergütung. Da der Maisanteil im Biogassubstrat zwischenzeitlich gedeckelt wurde, kam der neue Strohstall für die Schweine gerade recht. Der Mist wandert nun Woche für Woche in die benachbarte Biogasanlage.
Über ein Nahwärmenetz werden von der Biogasanlage im 500 Meter entfernten Dorf eine Schule, das Rathaus, eine Turnhalle und eine Altenwohnanlage mit Wärme versorgt. Neueste Investition hierbei: Ein Pufferspeicher mit 1.000 Kubikmetern Wasser. Hierüber könnten die Abnehmer im Notfall für 48 Stunden mit Wärme versorgt werden. Stromvermarktung ist auf dem Betrieb zunehmend ein Thema, wie Lasse Oestmann den VDAJ-Gästen erläuterte.
Gemeinsamer Ausklang mit Spargel
Wie schon bei einigen früheren Veranstaltungen hatte die VDAJ-Landesgruppe Niedersachsen/Sachsen-Anhalt auch diesmal den befreundeten VDL-Landesverband Niedersachsen miteingeladen. Mehrere Mitglieder des Schwesterverbandes folgten der Einladung gerne und trugen zu einem gelungenen Miteinander bei.
Den passenden Ausklang fand der Tag bei einem gemeinsamen Spargelessen in einem nahegelegenen Landgasthof. In entspannter Atmosphäre wurde noch angeregt diskutiert und sich über die Eindrücke des Tages ausgetauscht.
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