20.04.26
Katrin Bremer-John

24/7 im Einsatz: 20 Jahre Pferdeklinik am Kottenforst

Seit 20 Jahren, 24 Stunden täglich und an 365 Tagen im Jahr: In der Pferdeklinik am Kottenforst in Bonn-Wachtberg kümmern sich rund 60 Mitarbeitende um die Gesundheit von Pferden – vom Shetty bis zum Olympiasieger. Klinikleiter Carsten Rohde gewährte der VDAJ-Landesgruppe Bonn am 20. März Einblicke in die Arbeit der Klinik.

„Wir bieten ein breites Spektrum an“, erklärt Carsten Rohde. Er ist leitender Tierarzt der Pferdeklinik am Kottenforst. Die ehemalige Reitanlage ist heute eine moderne Klinik mit rund 60 Mitarbeitenden – und das rund um die Uhr. An 365 Tagen im Jahr werden Notfälle aufgenommen. Ein Grund: Immer weniger Tierärzte übernehmen im Außendienst Wochenend-Notdienste, sodass mehr Pferde direkt in die Klinik kommen.

Wir haben uns über die Jahre einen guten Ruf erarbeitet.“

Carsten Rohde

Starkes Team, klar organisiert

Gearbeitet wird im Dreischichtbetrieb. Nachts zwischen 20 und 6 Uhr sind eine Tierärztin oder ein Tierarzt sowie zwei Tiermedizinische Fachangestellte vor Ort, ergänzt durch eine Rufbereitschaft. Bis zu 20 Pferde können an drei Ambulanztagen behandelt werden. Insgesamt beschäftigt die Klinik drei Tierärzte, 17 Tierärztinnen, zwölf Fachangestellte, sieben Auszubildende sowie zehn Mitarbeitende in Verwaltung und Organisation.

Die Exkursion in die Pferdeklink stieß bei den Mitgliedern der VDAJ-Landesgruppe Bonn auf großes Interesse. Die Agrarjournalisten stellten Klinikleiter Carsten Rohde (l.) zahlreiche Fragen.
Foto: Pferdeklinik am Kottenforst

Technisch gut ausgestattet

Auch technisch ist die Klinik breit aufgestellt. Am häufigsten kommen Röntgen- und Ultraschallgeräte. Beim Röntgen arbeiten stets drei Personen am Pferd, ausgestattet mit Schutzkleidung und Dosimetern; die Einhaltung des Strahlenschutzes wird behördlich kontrolliert und jährlich geschult. Ergänzend wird Szintigrafie genutzt. Mit diesem nuklearmedizinischen Verfahren lassen sich Knochenschäden und Entzündungen nachweisen. Dabei kommt das radioaktive Isotop Technetium mit kurzer Halbwertszeit zum Einsatz.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Magnetresonanztomografie. Über 100 MRT-Untersuchungen werden jährlich in Vollnarkose durchgeführt, oft mit der Möglichkeit, direkt im Anschluss operativ einzugreifen. Insgesamt zählt die Klinik rund 400 Vollnarkosen pro Jahr. Für das sichere Aufstehen danach gibt es spezielle Räume mit gepolsterten Wänden und Gummiboden, unterstützt durch ein Seilsystem. Jährlich führt die Klinik zwischen 70 und 100 Kolik-Operationen durch. 

Vom Shetty bis zum Olympiasieger

Das Einzugsgebiet der Klinik umfasst etwa 30 Kilometer. Die Bandbreite der Patienten reicht vom 35-jährigen Shetty bis zum Olympiapferd. Etwa 50 Prozent sind OP-versichert, Krankenversicherungen bleiben die Ausnahme. Häufig übersteigen die Behandlungskosten den wirtschaftlichen Wert der Tiere – für viele Besitzer steht jedoch die emotionale Bindung im Vordergrund.

Die Besitzer sehen ihre Pferde als Familienmitglieder an.

Carsten Rohde

Der Tierarzt beobachtet, dass Stoffwechselerkrankungen in den letzten Jahren zugenommen haben, „weil die Pferde älter werden und mehr Zucker gefüttert wird.“ Außerdem sieht er Zusammenhänge zwischen der Zucht von Pferden, die immer raumgreifende Bewegungen haben, und orthopädischen Erkrankungen, unabhängig von der Rasse.

Zwischen Wirtschaft und Emotion

Mit Blick in die Zukunft verweist Rohde auf Prognosen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, nach denen der Pferdebestand sinken könnte. Gleichzeitig gehen Turnierstarts zurück, während der Freizeitbereich wächst. Der Klinikbetrieb ist zudem konjunkturabhängig, und nicht alle Besitzer können steigende Tierarztkosten problemlos tragen. Mit Blick auf Ethik und das Tierschutzgesetz stellt der Tierarzt jedoch klar: „Mangelnde finanzielle Ressourcen entbinden den Besitzer nicht davon, für sein Tier zu sorgen“. Bisher schreibt die Klinik konstant gute Zahlen. Der 60-Jährige hat die Pferdeklinik mittlerweile an eine Investorengruppe verkauft, ist selbst aber noch Geschäftsführer. 

Trotz Leitungsfunktion ist der ambitionierte Tierarzt noch selbst im praktischen Einsatz. „Ich liebe die Vielseitigkeit meines Berufs.“ Als Tierarzt arbeitet man aber nicht nur mit den Tieren, sondern muss auch mit deren Besitzern umgehen können. Diskussionen über die Gebührenordnung für Tierärzte, die seit November 2022 gilt und aus Rohdes Sicht nicht alle Entwicklungen ausreichend abbildet, gehören auch dazu. Ein Hauptpunkt in der Diskussion – die Hausbesuchsgebühr – ist jedoch für die Pferdeklinik nicht von Relevanz, da die Patienten zu den Tierärztinnen und Tierärzten kommen und nicht andersherum.

Hygiene und Biosicherheit

Für einen längeren Aufenthalt in der Klinik stehen insgesamt 35 Boxen zu Verfügung. Darunter auch Isolationsboxen, wenn der Verdacht auf eine infektiöse Erkrankung besteht. „Wir hatten in den letzten Jahren häufiger Drusefälle, weil es mehr Gruppenhaltung gibt und dann schnell der gesamte Bestand durchseucht wird,“ erläutert Rohde. Bei dem Verdacht auf Druse wird ein DNA-Test gemacht. Abhängig von der Erkrankung bleiben die Pferde zwischen ein bis zwei Tagen und mehreren Wochen in der Klinik. 

Fazit

Die Agrarjournalisten zeigten sich beeindruckt: Die Pferdeklinik am Kottenforst steht für ein breites Leistungsspektrum, moderne Technik und die aktuellen Herausforderungen der Veterinärmedizin.

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