Jeder ist Teil der Geschichte
Die neu gestaltete Dauerausstellung im Bonner Haus der Geschichte ist Anfang Februar das Ziel der Landesgruppe Bonn gewesen. „Du bist Teil der Geschichte. Deutschland seit 1945“ lautet der Titel der Ausstellung. Jünger, interaktiver, moderner ist sie geworden und sie orientiert sich stärker am Alltag der Menschen.
Rund 80 Jahre Geschichte in 120 Minuten – ein Sprint, vorbei an über 3.800 Objekten und zahlreichen Mitmach-Stationen, den Bildungsreferentin Kirsten Landmann und Historiker Beni Kocaoglu mit der Landesgruppe Bonn am 3. Februar absolviert haben.
Nach der kompletten Neugestaltung ist die Ausstellung nicht mehr wiederzuerkennen. Denen, die die alte Ausstellung kannten, gibt Kirsten Landmann mit auf den Weg: „Seien Sie bereit, dass Ihr Herz gebrochen wird.“ Denn, viele Objekte sind im Depot verschwunden.
Im Grunde wurde die Ausstellung auf den Kopf gestellt, und das in zweifacher Hinsicht, denn nicht nur das Konzept ist neu, auch die Art, wie man durch das Haus der Geschichte geht: „Start ist im Obergeschoss im Jahr 1945 und man bewegt sich abwärts ins Heute“, erklärt die Bildungsreferentin. Der jüngeren Geschichte ist mehr Raum gegeben worden. Themen wie Migration, Digitalisierung, Klimawandel und Coronapandemie finden sich jetzt in der Dauerausstellung. Dazu gibt es die Geschichts-Werkstatt „Heute“, sie greift aktuelle Themen und gesellschaftliche Debatten auf und zeigt, wie Geschichte im Moment entsteht.
Über allem prangt der Claim: „Du bist Teil der Geschichte“. Jeder kann sich in der Ausstellung wiederfinden – das ist das Ziel.
Weniger Politik – mehr Alltag
Geschichte spielt sich nicht nur auf der großen Bühne ab, sondern dahinter stehen auch immer Einzelschicksale: „Leute wie du und ich“. Und genau das findet man in der neuen Dauerausstellung. Zeitzeuginnen und -zeugen berichten von ihrem Leben im geteilten und vereinten Deutschland. Wie finden die Deutschen 1945 nach dem Krieg in den Alltag zurück? US-Soldat George Stevens hat mit seiner privaten 16-mm-Kamera Eindrücke aus dieser Zeit festgehalten. Etwa 16 Millionen Menschen verloren nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat. „Für ein Fotoalbum hatten die meisten trotzdem Platz im Gepäck“, erläutert Historiker Beni Kocaoglu.
In jedem der fünf Ausstellungs-Zeiträume findet man Bekanntes: Der Heimatfilm der 1950er-Jahre, die Berliner Mauer, das Moped des millionsten „Gastarbeiters“ Armando Rodrigues de Sá, neue Gerichte wie Spaghetti Bolognese, Moussaka oder Ćevapčići, die Beatles, die Mondlandung, Miniröcke und einen Monchhichi aus den 1970er-Jahren. Zu sehen ist ein selbst gebautes Fluchtflugzeug, die RAF ist ebenso Thema wie der Untergang der DDR. Eine Kopie des Zettels von Günter Schabowski aus der Pressekonferenz am 9. November 1989 gibt es zum Mitnehmen. In einem Kinderzimmer der 1990er/2000er-Jahre finden sich Poster der angesagten Boy- und Girlbands und die Diddl-Maus. Zahlreiche Gegenstände zeugen von der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021.
Mehr Interaktion
Eine große Neuerung ist vor allem der Ausbau der Mitmach-Formate. Neben der Bundestagssimulation mit Abstimmungsmöglichkeit gibt es viele interaktive Medienstationen, die historische Prozesse erlebbar machen sollen. Und man kann sich auch selbst in der Ausstellung verewigen, etwa in der riesigen Medieninstallation am Eingang mit einer live aufgenommenen Silhouette.
Weil oben in der Ausstellung kein Platz war, gibt es für Nostalgiker unter dem Haus der Geschichte auf dem Weg zur U-Bahn noch den Gesellschaftssonderwagen („Salonwagen“), den Bundeskanzler Konrad Adenauer ab 1953 nutzte und seinen Dienstmercedes ein Mercedes-Benz 300 W 186. Seitdem haben alle Kanzler-Dienstwagen das Nummernschild 0-2.
Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland an der Museumsmeile in Bonn ist ein Museum zur deutschen Zeitgeschichte seit 1945.
Adresse: Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr
Eintritt: frei
Telefon: 0228 91650
Website: www.hdg.de