Wegen Klimaschutz: Tierhaltung muss massiv eingeschränkt werden

VDAJ-Mitglieder im Gespräch mit Professor Lotze-Campen vom Potsdamer Institut für Klimafogenforschung.

Den Besuch im Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) bei Professor Dr. Hermann Lotze-Campen hätten wir nicht besser terminieren können. Das Ende der fast einwöchigen Sommerhitze im Juni 2026 war gerade einmal rund zwölf Stunden zuvor mit Gewittern eingeleitet worden. Das änderte jedoch nichts an den drückenden Verhältnissen in den nicht klimatisierten Büros und Wohnungen Berlins – kein Wunder bei Hitzerekorden von nahezu 40 Grad. Der „Wetterfrosch“ im ZDF hatte am Abend zuvor bereits prophezeit, dass sich solche anhaltenden Hitzewellen wiederholen würden. Der für die Klimaerwärmung und derartige Wetterlagen verantwortliche menschengemachte Anstieg der CO2-Gehalte in der Atmosphäre sei nun einmal Realität.

Nächste 20 jahre von größter Bedeutung

Dieser Aussage konnte Professor Lotze-Campen bei unserem Gespräch im alten astronomischen Kuppelsaal nur zustimmen – wenngleich Deutschland seine Emissionen klimaschädlicher Gase seit 1990 um 55 Prozent verringern konnte. Global gingen die Emissionen jedoch weiterhin nach oben. Um die von der Weltgemeinschaft vereinbarten Klimaziele zu erreichen und klimabedingte Schäden zu vermeiden, seien die kommenden 20 Jahre von größter Bedeutung. Die EU sollte deshalb mit der Reform der GAP die Direktzahlungen deutlich „stärker“ an den Klimaschutz koppeln.

50-70% geringerer Tierbestand nötig

Er sehe derzeit nicht, dass die Landwirtschaft ihre Möglichkeiten zur Reduzierung klimaschädlicher Gase konsequent nutze. Sie laufe deshalb Gefahr, in den kommenden Jahren im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren und deren Reduktionsmaßnahmen zurückzufallen. Die Tierhaltung als einer der stärksten Emittenten werde nicht ausreichend verringert. Notwendig seien Reduzierungen „um 50 bis 70 Prozent“. Zugleich habe dies für die Bevölkerung gesundheitspolitisch positive Auswirkungen. Lotze-Campen sieht aktuell auch die Versorgungssicherheit gefährdet: Klimawandel, geopolitische Krisen und Konflikten an den Handelsrouten gefährdeten die Lebensmittelversorgung und sorgten für außergewöhnliche Preisanstiege.

Datenanalysen und Computersimulationen

Das 1992 gegründete PIK mit seinen fünf Forschungsbereichen liegt gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen wie dem Helmholtz-Zentrum und dem Leibniz-Institut auf dem Potsdamer Telegrafenberg im Wissenschaftspark Albert Einstein, teils in historischen Institutsgebäuden. Rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Natur- und Sozialwissenschaftler – arbeiten interdisziplinär zusammen, um den globalen Klimawandel und seine ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen zu untersuchen. 

Mit Datenanalysen und Computersimulationen werden auch lösungsorientierte Optionen für eine zukunftsfähige Entwicklung von Mensch und Natur entwickelt. Professor Lotze-Campen, Landwirtssohn aus einem Ackerbau- und Milchviehbetrieb in Ostfriesland und ausgebildeter Landwirt, studierte Agrarökonomie in Kiel, Reading und Minnesota. Statt den elterlichen Betrieb zu übernehmen, schlug er die akademische Laufbahn ein. Heute leitet er den PIK-Forschungsbereich Klimawirkung und Vulnerabilität und ist Professor an der Berliner Humboldt-Universität für nachhaltige Landnutzung und Klimawandel.

Termine

VDAJ Mitgliederversammlung 2026

Startdatum 28.08.26
Enddatum 29.08.26

Save the Date: Die diesjährige Mitgliederversammlung (mit Rahmenproramm) findet am Freitag/Samstag, den 28./29. August 2026, im hessischen Limburg an der Lahn statt.

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10. FORUM FriedensBrot

Startdatum 04.11.26
Startzeit 19:00
Enddatum 04.11.26
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Das 10. FORUM FriedensBrot findet am Mittwoch, 4. November 2026, 19.00 bis 21.30 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) im Besucherzentrum Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße 119, 13355 Berlin statt.

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