Dominik Strobel

Blick in die Gemüse-Geburtsstube

Die VDAJ-Landesgruppe Baden-Württemberg besuchte im Vorfeld ihrer Mitgliederversammlung im Mai die Bioland-Jungpflanzen-Gärtnerei Natterer in Vaihingen an der Enz. Dominik Strobel, Pressesprecher bei Bioland Baden-Württemberg, berichtet von der Besichtigung.

Pieter Schapers, Geschäftsführer der Gärtnerei, führte Die Journalistengruppe durch die Anlage und erklärte den gesamten Produktionsprozess von der Herstellung der Presstöpfe bis hin zur Auslieferung. Der Bioland-Betrieb ist auf die Produktion von Bioland‑Jungpflanzen spezialisiert und liefert große Stückzahlen zu festen Terminen in ganz Europa. Das Sortiment reicht dabei von Aubergine bis Zuckerhut. Auch Heilpflanzen für die Herstellung von Phytopharmaka gewinnen im Portfolio zunehmend an Bedeutung. 

Die Anzucht von Bio-Jungpflanzen ist aufwendig und erfordert spezielles Know-how. Jede Kultur birgt ihre eigenen Herausforderungen, etwa bei Keimbedingungen, Stecklingsvermehrung oder Pflanzenschutz. Die belieferten Bioland-Gärtnereien haben dank gesunder und kräftiger Jungpflanzen weniger Ausfälle und können über die gesamte Saison zuverlässig planen.

Fast alles aus einer Hand

Im alten Gewächshaus verkauft der Betrieb Kleinstmengen für lokale Endverbraucher, der Weg zur eigentlichen Produktionsstätte ist von Obstbäumen gesäumt – „als Beitrag zur Biodiversität“, wie Pieter Schapers sagt. Dahinter erstreckt sich die weitläufige Unter-Glas-Anlage, in der die Jungpflanzen in Kisten heranwachsen. Die benötigten Erdballen werden in endlosen Bahnen von der eigenen Presstopfmaschine hergestellt. Dabei experimentiert das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Uni Hohenheim auch mit torffreien Alternativen. Die meisten Kulturen verlassen die Kiste von der Ansaat bis zur Anpflanzung beim Kunden zu keinem Zeitpunkt.

Der Traditionsbetrieb wurde über zwei Generationen von der Familie Natterer aufgebaut. Heute verantwortet Pieter Schapers die Produktion. Sein beruflicher Ursprung liegt in der IT, sein Denken in Systemen und Prozessen kommt ihm in der Unter-Glas-Produktion zugute. 

IT-Wissen kann man hier ständig brauchen.

Pieter Schapers

Präzise Taktung lassen Jungpflanzen gedeihen

Lüftung und Heizung, Schattierung und Bewässerung müssen permanent überwacht werden, damit die Jungpflanzen zu jeder Zeit ideale Wachstumsbedingungen vorfinden und zum bestellten Termin bereit stehen. Die Jungpflanzenproduktion ist ein präzise getaktetes Saisongeschäft, die Vorbereitungen beginnen schon im November. Ende Januar startet die Anzucht der Jungpflanzen und im Juni ist die Auslieferung weitestgehend abgeschlossen.

Zusätzlichen Druck erzeugen klimatische Extreme. „Es regnet entweder zu viel oder zu wenig“, berichtet Schapers. Teile des Betriebsgeländes sind schon geflutet worden, als die Enz über die Ufer trat. In diesem Jahr machten geringe Niederschläge bereits im März eine zusätzliche Wasserentnahme nötig. Extreme Wetterereignisse sind für die gesamte Branche eine zunehmende Herausforderung. Umso erfreulicher ist Schapers Beobachtung, dass im Bio-Kosmos oft Kooperation anstatt Konkurrenz herrscht. „Das Netzwerk von Bioland ist intakt. Man kennt sich und man hilft sich“, erzählt der Betriebsleiter, zum Beispiel wenn einzelne Kulturen ausfallen.