Friederike Krick

Nachrichtennutzung über soziale Medien steigt

Immer mehr Menschen informieren sich über soziale Medien – doch das Vertrauen in klassische Nachrichten bleibt deutlich höher als in KI oder Social Media. Der Reuters Institute Digital News Report 2026 zeigt, wie sich die Nachrichtennutzung in Deutschland verändert.

Soziale Medien gewinnen als Nachrichtenquelle in Deutschland weiter an Bedeutung. Laut dem Reuters Institute Digital News Report 2026 informieren sich inzwischen 36 Prozent der deutschen Internetnutzerinnen und -nutzer regelmäßig über Plattformen wie WhatsApp, YouTube, Facebook oder Instagram. Besonders bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren spielen soziale Netzwerke eine zentrale Rolle: 60 Prozent nutzen sie für Nachrichten, bei Instagram sind es sogar 52 Prozent. Für 17 Prozent dieser Altersgruppe sind soziale Medien inzwischen sogar die einzige Nachrichtenquelle.

Generative KI-Chatbots weniger bedeutend

Trotz dieser Entwicklung bleibt das Internet insgesamt die wichtigste Informationsquelle. Rund 67 Prozent der deutschen Online-Bevölkerung konsumieren mindestens einmal pro Woche Nachrichten im Netz. Gleichzeitig zeigt der Langzeitvergleich seit 2017, dass soziale Medien kontinuierlich an Bedeutung gewonnen haben – sowohl als regelmäßig genutzte als auch als wichtigste Nachrichtenquelle.

Generative KI-Chatbots spielen dagegen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich fünf Prozent der Befragten gaben an, in der vergangenen Woche einen KI-Chatbot zur Nachrichteninformation genutzt zu haben. Wer KI einsetzt, verwendet sie vor allem, um Fragen zu aktuellen Themen zu stellen (48 Prozent), komplexe Inhalte verständlicher erklären zu lassen (28 Prozent), Zusammenfassungen zu erhalten (27 Prozent) oder Nachrichtenquellen einordnen zu lassen (25 Prozent). Auffällig ist jedoch, dass viele Nutzer die von der KI genannten Originalquellen nur gelegentlich überprüfen.

Unterhaltsam ja, aber vertrauenswürdig?

Auch sogenannte Newsfluencer gewinnen zwar an Reichweite, ersetzen klassische Nachrichtenangebote aber kaum. Insgesamt 13 Prozent der Befragten informieren sich über Influencer, die regelmäßig Nachrichten behandeln. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt dieser Anteil bei rund 30 Prozent. Dennoch geben lediglich zehn Prozent der Newsfluencer-Nutzer an, dass diese Angebote ihre gesamten Informationsbedürfnisse abdecken. Zwar gelten Newsfluencer häufig als unterhaltsamer und leichter verständlich, als vertrauenswürdiger als klassische Medien werden sie jedoch nur von elf Prozent der Befragten eingeschätzt.

Traditionelle Medien bleiben weiterhin wichtige Bestandteile des Nachrichtenkonsums. 59 Prozent der Befragten sehen regelmäßig Nachrichtensendungen im linearen Fernsehen, 34 Prozent hören Nachrichten im Radio und 17 Prozent greifen zu gedruckten Zeitungen oder Magazinen. Zwar sind die Reichweiten dieser Mediengattungen seit 2013 rückläufig, zuletzt hat sich dieser Trend jedoch abgeschwächt.

Öffentlich-rechtliche besser als ihr Ruf

Das allgemeine Interesse an Nachrichten bleibt trotz leichter Rückgänge hoch. Neun von zehn Befragten nutzen mehrmals pro Woche Nachrichtenangebote. Gleichzeitig bleibt auch das Vertrauen in Nachrichten insgesamt stabil: 46 Prozent sind der Meinung, dass man den meisten Nachrichten in Deutschland vertrauen kann. Das Vertrauen in die regelmäßig genutzten Nachrichtenangebote liegt mit 58 Prozent sogar noch höher.

Deutlich geringer fällt hingegen das Vertrauen in Nachrichten aus sozialen Medien und KI-Anwendungen aus. Lediglich jeweils 13 Prozent der Befragten vertrauen Informationen aus diesen Quellen. Suchmaschinen schneiden mit 24 Prozent etwas besser ab. Unter den etablierten Nachrichtenmarken genießen die ARD-Tagesschau, Regional- und Lokalzeitungen sowie ZDF heute das höchste Vertrauen. Bemerkenswert ist, dass junge Erwachsene den öffentlich-rechtlichen Angeboten von ARD und ZDF sogar mehr Vertrauen entgegenbringen als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Nachrichten sollten nicht einordnen

Die Mehrheit der Menschen bevorzugt weiterhin möglichst neutrale Berichterstattung. Knapp zwei Drittel wünschen sich Nachrichtenangebote ohne erkennbare politische oder weltanschauliche Positionierung. Nur vergleichsweise wenige möchten Medien nutzen, die ihre eigene Meinung bestätigen oder gezielt herausfordern.

Nutzer entwickeln Vermeidungsstrategien

Gleichzeitig nehmen die Sorgen über Desinformation zu. Fast die Hälfte der Befragten äußert Bedenken, im Internet zuverlässig zwischen Fakten und Falschmeldungen unterscheiden zu können. Damit ist dieser Wert gegenüber den Vorjahren deutlich gestiegen und betrifft inzwischen alle Altersgruppen.

Auch die bewusste Nachrichtenvermeidung bleibt auf hohem Niveau. 72 Prozent der Befragten geben an, Nachrichten zumindest gelegentlich aus dem Weg zu gehen – etwa indem sie belastende Themen wie Krisen oder Kriege zeitweise meiden oder zu bestimmten Tageszeiten bewusst keine Nachrichten konsumieren. Diese Entwicklung bedeutet jedoch nicht, dass Menschen grundsätzlich auf Nachrichten verzichten, sondern vielmehr, dass sie ihren Nachrichtenkonsum gezielt steuern.

Die Ergebnisse stammen aus der deutschen Teilstudie des Reuters Institute Digital News Report 2026, die vom Leibniz-Institut für Medienforschung (Hans-Bredow-Institut) durchgeführt wurde. Für die internationale Untersuchung wurden knapp 100.000 Menschen in 48 Ländern befragt, darunter rund 2.000 Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland. Die Studie untersucht seit 2012 die Entwicklung der Nachrichtennutzung weltweit und gilt als eine der wichtigsten internationalen Vergleichsstudien zur Mediennutzung.

Quellen: