Im Mittelpunkt steht der Mensch – Seminar „Reportage“

VDAJ_Reportage_Teilnehmer tauschen sich ausAnfang dieses Jahres hielt Karsten Krogmann, Reporter bei der Nordwest-Zeitung, den Kommunikationspreis 2016 in der Hand. Verliehen wurde er vom Verband Deutscher Agrarjournalisten für seine objektiven und tiefgründig recherchierten Reportagen, welche die verschiedensten Themenbereiche aus der Landwirtschaft aufgegriffen haben. Karsten Krogmann redet nichts schlecht – genauso wenig redet er alles schön worüber er schreibt. Er arbeitet tatsachenbetont und greift auch ernste Debatten auf, denen er mit seinen Reportagen auf den Grund geht.

Von so einem Mann kann man fachlich sicherlich viel lernen, auch als alteingesessener „grüner rasender Reporter“. So kam es, dass sich neun Agrarjournalisten im „Garten“ des Beckmann Verlags in Lehrte für ein Schreibseminar zusammen fanden, um sich dieses Wissen durch Karsten Krogmann vermitteln zu lassen. 20 Regeln seien zu beachten wenn man sich einer Reportage widmet, gab Krogmann gleich zu Veranstaltungsbeginn den Teilnehmern an die Hand. Wer diese Regeln verinnerlicht hat, wird mit seiner Arbeit die Leserschaft fesseln und Stoff zu Nachdenken bieten können.

Aber wann spricht man überhaupt von einer Reportage? Die meisten Pressetexte in Tageszeitungen und Fachjournals sind kurz und sachlich gehalten, sie beschränken sich auf wesentliche Fakten. Den Leser nicht überfordern, heißt die Devise. Tatsachenbetont, detailliert und mit vielen Sinneseindrücken versehenen wird dagegen eine Reportage geschrieben. „Beginnen Sie Ihre Reportage mit einem Erdbeben“, so Krogmann „und steigern Sie sich“. „Halten Sie das Allgemeine am Besonderen fest“. Wie in jeglicher journalistischer Arbeit gibt es aber auch hier keinen Raum für persönliche Spekulationen – Unwichtiges und Ablenkendes wird ausgeblendet, Symbolträchtiges und Wichtiges rückt in den Fokus „Nehmen Sie den Leser an die Hand und erwecken Sie Ihren Bericht zum Leben“. Eine gute Reportage wird durch Fakten, Zahlen und Hintergründe untermauert – ein guter Reporter wird dadurch erkannt, dass er sich diese Informationen durch eigene Recherchen vor Ort einholt. „Lassen Sie Emotionen durch Zitate sprechen“ so Krogmanns Appel – der Mensch soll immer im Mittelpunkt stehen.

Die Teilnehmer tauschen sich aus

Die Teilnehmer tauschen sich aus

Diskussion im Garten des Beckmann Verlags

Diskussion im Garten des Beckmann Verlags

Viel Input auf einmal – sogar für die zuhörenden Redakteure aus Leidenschaft. Dank praktischer Übungen konnte das Erlernte aber sofort auf ein Blatt Papier gebracht und in gemeinsamer Runde diskutiert werden. Doch inwieweit lassen sich diese Grundregeln auch in der landwirtschaftlichen Pressearbeit verfolgen? Möchte die Leserschaft überhaupt in detailgefüllten Sätzen versinken oder zählt auch hier eher der Fokus: Kurz, knapp aber informativ?

Sicherlich wird eine seitenlange Reportage über die modernste Landtechnik nicht die Masse der Leser fesseln können, und auch der Reporter selber wird womöglich an die Grenzen seines Könnens kommen. Hier zählen bloß technische Daten, Zahlen, Fakten, Bilder. Doch gerade in der Landwirtschaft, und vor allem in der Tierhaltung, spielen starke Emotionen nicht nur beim Erzeuger sondern auch Verbraucher eine große Rolle. Und genau da ist eine tatsachenbetonte und penibel recherchierte Reportage ein ganz elementarer Informationsweg – von Mensch zu Mensch.

Gelerntes wird direkt umgesetzt

Gelerntes wird direkt umgesetzt

Kleines Dankeschön an Karsten Krogmann

Kleines Dankeschön an Jan-Klaus Beckmann

Die letzte der 20 Regeln von Herrn Krogmann hatte es aber in sich: Man braucht keine Vorschriften für eine gute Reportage. Bestenfalls Tipps. Und die haben die Teilnehmer dieses Schreibseminars definitiv zu Genüge bekommen. Einig waren sich am Ende alle, dass es ein gelungener, lehrreicher und vor allem interessanter Seminartag mit vielen Sinneneindrücken war.

Text: Oksana Dallmer, Öffentlichkeitsarbeit Raiffeisen Agil Leese
Fotos: Angelika Sontheimer
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