Wo Bäume in die Schule gehen

Erstellt am Montag, 06. August 2012

Rund 450 ha bepflanzte Baumschulfläche, rund 300 000 neu gepflanzte Setzlinge pro Jahr und zwischen 1 000 und 1 500 verkaufte Bäume  pro Tag – damit ist die Baumschule Ley in Meckenheim, die sich auf Alleebäume und Straßenbegleitgrün  spezialisiert hat, die größte Baumschule in Deutschland.

Der Standort Meckenheim bietet sich mit milden Temperaturen, 500 bis 600 mm Niederschlag pro Jahr und vor allem besten Lößlehmböden für eine Baumschule an. Das erkannte Firmengründer Wilhelm Ley bereits 1891, als er auf einem halben Hektar die Baumschule gründete. Das in der vierten Generation geführte Familienunternehmen spezialisierte sich in den 1960-er Jahren auf Laubgehölze und Solitärpflanzen, die heute in die ganze Welt verkauft werden. Sogar vor dem neuen Olympiastadion in London stehen Bäume aus Meckenheim. In den letzten 15 Jahren ist die Baumschule von rund 200 ha auf 450 ha gewachsen, die Flächen liegen alle bis maximal 10 km um den Betrieb herum. Außerdem gehört das Gartencenter Sängerhof seit 1971 zum Unternehmen.

Jedes Jahr 300 000 neue Bäume
Rund 70 ha Fläche beanspruchen die jährlich 300 000 neuen Setzlinge, die im Januar aus Schleswig-Holstein geliefert werden und zunächst im betriebseigenen Kühlhaus ohne Wurzeln auf die Pflanzung warten. Sie werden mit GPS-Schleppern gepflanzt, damit der Pflegeschlepper später genau durch die Reihen fahren kann. „Etwa 225 000 bis 250 000 Setzlinge bleiben übrig, der Rest ist entweder nicht ordentlich gewachsen oder die Veredelung  hat nicht funktioniert“, erklärt Christoph Dirksen, der als einer der beiden Geschäftsführer die Außenwirtschaft der Baumschule betreut. Auf dem Hofdach ist ein eigener GPS-Korrektursender, um zentimetergenau arbeiten zu können. Die Bambusstäbe, an die die Setzlinge gebunden werden, kommen in zehn See-Containern pro Jahr aus China.

Mit dem Slogan „Bäume aus guter Schule“ zeigt sich die Ausrichtung auf Qualität und das heißt in der Baumschule beispielsweise, dass die Setzlinge regelmäßig alle vier Jahre umgesetzt und die Wurzeln beschnitten werden, damit der Wurzelballen kompakt bleibt und die Bäume besser verpflanzt werden können. Alle Baumkronen werden jährlich geschnitten. „Dazu haben wir 20 Hubbühnen im Einsatz, etwa 40 unserer rund 100 Mitarbeiter sind ständig mit dem Schneiden von Bäumen beschäftigt“, berichtet Dirksen, der seit 15 Jahren im Unternehmen tätig ist. „Ein Mitarbeiter kann zwischen 200 und 600 Bäume pro Tag schneiden, das hängt von der Sorte ab.“ Dabei ist der Baumschnitt eine komplizierte Sache, denn zunächst wird Wert darauf gelegt, dass der Stamm möglichst lang und  kräftig wird, denn der Stammumfang ist ein wichtiges Preiskriterium. Deshalb wird zunächst die Spitze eingekürzt. Gleichzeitig soll der veredelte Teil der Krone gefördert werden, dazu muss man einen kleinen Teil der Unterlagenkrone stehen lassen, denn „ein Baum,  der kleine Blätter hat, wächst auch nicht richtig“, beschreibt Dirksen und ergänzt schmunzelnd: „Mann muss denken wie ein Baum, dann bekommt man ihn auch dazu, optimal zu wachsen.“

Dirksen kann zwar die meisten Flächen beregnen, macht dies aber ungern, da die Bäume mit zu viel Wasser zu sehr verwöhnt werden und nicht so viele Wurzeln bilden. Gedüngt wird auch nur vor der Pflanzung, denn Dirksen ist davon überzeugt, dass im Boden genug Nährstoffe vorhanden sind. Der Baumschnitt bleibt als Mulch in der Anlage liegen. Zwischen den Baumreihen wird Gras gesät, damit die Flächen ganzjährig befahrbar sind.

Trends von morgen finden
Da viele Bäum,e die heute gepflanzt werden, zum Teil erst in 20 oder 30 Jahren verkauft werden, ist es besonders wichtig, welche Arten man anbaut. „Früher war nur gefragt, was schön ist, aber heute setzen wir mehr auf heimische Hölzer, weil die robuster sind und einfach besser wachsen. Wir fahren regelmäßig auf Messen und Ausstellungen und haben intensiven Kontakt zu Architekten, denn die bestimmen oft, welche Pflanzen zu einem Gebäude passen.“ Außerdem fährt Dirksen regelmäßig ins Ausland, um neue Bäume zu entdecken und in Meckenheim zu testen, ob sie das hiesige Klima aushalten. Heute gehören rund 500 verschiedene Sorten zum Sortiment. So gibt es zum Beispiel alleine 15 Eschensorten, damit für jede gewünschte Kronenform eine Baumsorte vorhanden ist.

Hauptsaison ist von Oktober bis Ende April, wenn die Bäume gerodet und verkauft werden, da die Bäume ohne Blätter den Transport am besten überstehen. Verkauft wird fast nur in großen Stückzahlen, Kunden sind oft Städte und Gemeinden. Rund 20 40-t-LKWs verlassen jeden Tag den Hof. Etwa 60 % wird in Europa verkauft, es gehen aber auch Einzelbäume in speziellen Kühltransportern bis Russland oder Kasachstan. Gerodet werden die Bäume mit Maschinen, die den Wurzelballen mit einem vibrierenden, halbrunden Messer aus der Erde schneiden. „Diese Maschinen haben wir mit Ballendurchmessern bis 2,50 m. Größere Ballen werden mit dem Bagger ausgegraben, aber der Größe sind Grenzen gesetzt, weil ein 3-m-Ballen zu breit für den Straßentransport wird und der Baum dann schnell 10 t wiegen kann“, berichtet Dirksen. Manchmal werden die Bäume sogar nachts mit Sondergenehmigung transportiert.

Koniferen oder Ziersträucher werden  zugekauft,  um Kunden ein komplettes Sortiment anbieten zu können. Dazu findet zweimal in der Woche eine Börse auf dem Betriebsgelände statt, an der 50 Baumschulen teilnehmen und Waren untereinander handeln.

Einer hat den Überblick
Jede Morgen teilt Christoph Dirksen die rund 100 Mitarbeiter, davon 13 Auszubildende, in kleine Kolonnen ein. „Die Arbeit in der Baumschule hat sich sehr verändert, heute braucht sich keiner mehr zu quälen, denn es gibt für alles Maschinen.“ Alle Saisonarbeitskräfte sind inzwischen fest angestellt. „Alle Überstunden werden abgefeiert, sodass die Mitarbeiter acht Monate im Jahr arbeiten, zwei Monate Urlaub haben und zwei Monate Überstunden abbauen.“ Gerne würde Dirksen mehr Frauen einstellen, zurzeit sind es fünf, die sehr erfolgreich sind. „Zwei Drittel unserer Auszubildenden studieren nach der Lehre, alle anderen werden übernommen.“ Das Verhältnis von Größe zu Mitarbeiterzahl ist bei Ley sehr gut, normalerweise geht man in guten Baumschulen von einem Mitarbeiter für 3 ha aus, bei Ley sind es aufgrund der guten Mechanisierung und Organisation immerhin 4,5 ha pro Mitarbeiter. Im Innenbereich und im Sängerhof arbeiten noch einmal 15 Mitarbeiter.
Nk

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Alle Bäume werden mit GPS-gesteuerten Schleppern gepflanzt. Die Farbmarkierung zeigt die Sorte an.
Foto: Birgit Scheel

 

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Seit 15 Jahren mit Leib und Seele für seine Bäume tätig: Christoph Dirksen ist einer der Geschäftsführer der Baumschule Ley.
Foto: Dr. Katharina Seuser

 

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Die Bonner Landesgruppe zu Gast in der Baumschule Ley in Meckenheim.
Foto: Dr. Katharina Seuser

 

Infos zur Ausbildung
Wer sich für den Beruf des Gärtners mit Schwerpunkt Baumschule interessiert, findet dazu im Internet Informationen unter www.landwirtschaftskammer.de in der Rubrik Berufsbildung unter Gärtner/in, Fachrichtung Baumschule.

 

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