VDAJ bei Greenpeace

Erstellt am Freitag, 27. November 2009 01:21

Das Kulleraugenprinzip Einer „Einladung zum Schlagabtausch“ des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ), Landesgruppe Nord mit der Umweltorganisation Greenpeace folgten knapp 20 Teilnehmer am Donnerstag voriger Woche nach Hamburg.

„Aktionen sind das Herzstück unserer Arbeit“, erklärte Greenpeace-Pressesprecherin Simone Miller. Man verstehe sich als gewaltfrei aber konfrontativ. Das Image „David gegen Goliath“ mache sich die Großorganisation dabei bis heute zu Eigen, wenn es gegen internationale Konzerne im Lebensmittel- oder Industriebereich geht. „Wir freuen uns über große Gegner“, zeigte Miller die Richtung auf. Dass die Umweltorganisation gerade in Deutschland ihre stärkste Basis hat, führt Miller auf die deutsche Mentalität in Bezug auf Umweltfragen zurück. Andererseits agiere Greenpeace auch „deutsch“, indem man Zahlen verlässlich recherchiere und sich an Sachargumenten orientiere. So habe man in der Diskussion um Tiertransporte bewusst auf das symbolträchtige „Kulleraugenprinzip“ verzichtet, um keine Emotionen zu wecken. Dennoch sei die Emotionalisierung eines Themas über Bilder natürlich ein Merkmal der Lobbyarbeit, gab Miller zu. Allein 30 Personen arbeiten bei Greenpeace im Bereich Kommunikation.

Greenpeace hat keine Mitglieder, sondern Förderer. Der größte Teil der Mittel kommt aus Kleinspenden unter 100 Euro. Greenpeace Deutschland ist nach Aussage Millers die „Cash Cow“ der Gesamtorganisation. Auch in Krisenzeiten steige die Zahl der Förderer. Daher befinde man sich in der „luxuriösen Lage“, die Themen selber bestimmen zu können. Greenpeace sieht sich nicht als potenzieller Kooperationspartner anderer Organisationen oder Interessensgruppen. Miller: „Wir wollen lieber der Stachel im Fleisch sein.“ Dennoch pflege man beispielsweise mit dem Deutschen Bauernverband einen regelmäßigen Kontakt.

Mit dem Gästen des VDAJ wurden landwirtschaftliche Brennpunkte diskutiert, allen voran die Gentechnik. Greenpeace will den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit verhindern oder reduzieren. Ein Streitgespräch entspann sich darum, ob dieses beispielsweise bei Soja überhaupt noch möglich sei. „Ich kann ihnen sofort Kontakte vermitteln, über die Sie 4 Mio. Tonnen gv-freies Soja kaufen können“, erklärte Greenpeace-Mitarbeiter Alexander Hissting. Der studierte Landwirt gab aber zu, dass eine GVO-Freiheit im Futtermittelsektor am schwierigsten umzusetzen sei. Als Erfolg bezeichnete er die Einführung einer Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ in Deutschland.

Sehr kritisch sieht man in der Umweltorganisation den Biosprit, hier „Agrosprit“ genannt. Die Beimischungsgrenze von 6,25 Prozent sei zu hoch, mit heimischem Raps könne man maximal 5,3 Prozent erfüllen. Auch die Wiederbelebung des B 100- Marktes durch Steuersenkungen sei problematisch. Die Kritik bezog sich vor allem auf Länder, die auf ehemaligen Urwaldflächen Palmöl erzeugten und nach Europa exportierten. Um hier zu einer positiven CO2-Bilanz zu kommen, müsse 423 Jahre Agrosprit von der Fläche erzeugt werden. Doch auch die Rinderhaltung habe eine massive Rodung des tropischen Regenwaldes zur Folge. So dienten immerhin 80 Prozent aller gerodeten Flächen in Brasilien der Rinderhaltung.

Zu den europäischen Agrarzahlungen wurde Martin Hofstetter von Greenpeace deutlich: Die Offenlegung der Empfänger von Direktzahlungen bezeichnete er als Erfolg. Er äußerte sich nicht zu einer Reduktion der Finanzmittel, forderte aber eine Umverteilung hin zu Betrieben, die hohe Standards einhielten. „Wir müssen weg vom Gießkannenprinzip“, erklärte der Diplomlandwirt. Auch seien die Exportsubventionen ganz abzuschaffen. Greenpeace tritt für eine Marktwirtschaft ein, die den Kriterien einer sozialen, ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit genügt. Hier sehe man auch Anknüpfungspunkte zur Landwirtschaft, ebenso wie bei den „Patenten auf Leben“. In der Diskussion um die Biogaserzeugung als erneuerbare Energie gaben die Vertreter von Greenpeace Probleme zu, auch wenn das Erneuerbare Energien-Gesetz von den Umweltverbänden mit zu verantworten sei. „Manche Folgeerscheinungen haben wir nicht gewollt“, erklärte Hofstetter. Greenpeace möchte im Rahmen einer Novellierung unter anderem den Einsatz der Gülle erhöht wissen.

Auch wenn die Diskussion mit den Gästen klare Trennlinien aufzeigten was die Einschätzung der Entwicklung bei GVO betrifft, wurden zugleich Gemeinsamkeiten deutlich. Greenpeace bezeichnet sich selber als „Dinosaurier unter den Umweltverbänden“. Dieses scheint einer etwas verbindlicheren Arbeit inzwischen Vorschub zu leisten.

Sönke Hauschild

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